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K. u. k. Militärbauten als Repräsentanten der Gesamtmonarchie in der siebenbürgischen ‚Peripherie‘ 215
chisch und symmetrisch gebildetes, repetitives Fassadenschema weist große Ähnlich-
keiten zur Rennweger Artilleriekaserne in Wien auf. Auch die k. u. k. Jägerkaserne
und die k. u. k. Trainkaserne in Hermannstadt, die etwa zeitgleich mit dem Kom-
mandogebäude im Auftrag der Kommune errichtet wurden, operieren mit diesem
stilistischen Repertoire (wiederkehrende Motive sind Eckrustika und Ädikulafens-
ter). Sollte durch die Gestaltung der Fassaden des Kommandogebäudes im Stil der
Neorenaissance (mit in diesem Sinne abgewandelten Zitaten aus der Wiener Barock-
architektur) ein zum Zeitpunkt ihres Entstehens gültiges corporate design als bauliche
Verkörperung des Ideals supranationaler (und suprakonfessioneller) Uniformität der
‚bewaffneten Macht‘ und damit der Gesamtmonarchie gewahrt werden? Die gegen-
über den vorstädtischen Kasernen reichere Gestaltung würde sich dann aus dessen
zentraler Lage und höherem Rang erklären. Eine mit vorrangig italienischen Vorbil-
dern operierende Neorenaissance bot sich zur Gestaltung von k. u. k. Militärbauten
insofern an, als auch sie als eine Art ‚Universalstil‘ der Habsburgermonarchie propa-
giert worden war: Der einflussreiche Wiener Kunstgeschichtsprofessor Rudolf von
Eitelberger hatte 1872 die Eigenständigkeit und Überlegenheit der zeitgenössischen
Renaissance-Rezeption in Wien, die unmittelbar auf italienische Vorbilder rekurriere,
gegenüber derjenigen in Frankreich und Deutschland betont – und so das Schlag-
wort der ‚Wiener Renaissance‘ mitgeprägt, wobei, wie später bei Ilgs Plädoyer für den
‚Wiener Barock‘, die Hauptstadt als pars pro toto des Reichs fungierte.40 Überhaupt
gleichen sich die Argumentationsmuster von Eitelberger und dessen Schüler Ilg ver-
blüffend, was angesichts von polemischen Ausfällen Ilgs gegen die von ihm negativ
als international-kosmopolitisch beurteilte Neorenaissance-Architektur oft vergessen
wird. So hatte Eitelberger beispielsweise eine Wesensverschiedenheit der Architektur
der beiden Hauptstädte Berlin und Wien proklamiert („Der Purismus der heutigen
Berliner Architektur ist schulmäßig trocken. […] Die Nüchternheit, die sich über
die Architektur der Kaiserstadt an der Spree ausbreitet, drückt wie ein Alp auf die
gesamte Kunst und Kunst-Industrie und kontrastirt [sic] stark mit den lebendig be-
wegten Formen der Renaissance-Bauten in Wien.“41) – ein Topos, den Ilg aufgriff
und dezidiert auch als Folge eines Gegensatzes von sinnenfrohem österreichischen
Katholizismus und sprödem preußisch-deutschen Protestantismus deutete. Dass er
sich dabei nun auf den Barock und nicht auf preußisch-deutschen Bauten im ita-
lianisierenden Renaissancestil bezog, dürfte gerade auch dem Umstand geschuldet
gewesen sein, dass zwischenzeitlich eine nationale Vereinnahmung des letzteren von
anderer Seite versucht worden war.42
Die Regimenter, die in den genannten Kasernen untergebracht waren, rekrutierten
sich vorwiegend aus der pluriethnischen und multikonfessionellen Bevölkerung des
Hermannstädter Raums.43 Als wichtige Adressatengruppe der gesamtmonarchischen
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918