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Sektion III: Netzwerke
Anna Mader-Kratky/Stefan Schmidl
Repräsentation und die Dynamiken höfischer Netzwerke
Der Begriff ‚Netzwerk‘ ist überaus polyvalent.1 Hinsichtlich des Generalthemas herr-
schaftlicher Repräsentation lässt er sich jedoch eingrenzen. Hier kann er als charak-
teristische Interaktions- und Organisationsform alteuropäischer Monarchien erkannt
werden, die die Formation der ‚Hof‘ benannten Struktur erst hervorbrachte.
Der Umstand, dass die Partizipation an höfischen Netzwerken die Erfüllung von
Repräsentationsnormen bedingte, zeigt in historischer Perspektive exemplarisch die
Kongruenz ästhetischer und politischer Kommunikation, mehr noch: deren reziproke
Bedingtheit. Repräsentation, immateriell wie materiell, ist dabei keineswegs nur als
Gegenstand bzw. Mittel des Austauschs zu verstehen, sondern als aktiver Teil des
Systems, als Teil mit ‚Eigenleben‘ – ein Eigenleben, das schon Norbert Elias an sou-
veränen ‚Machtsymbolen‘ erkannt hat.2 Fragen, die sich angesichts der Beziehung
von Personen, Artefakten, Formen und Zeichen an Höfen stellen, betreffen deswegen
zuerst die Wirkweise von Repräsentation in Netzwerken, eine Nachzeichnung ih-
rer Aktivität. Wer repräsentiert wurde, und wie diese Repräsentation in Netzwerken
wirksam wurde, sind darüber hinaus entscheidende Kriterien der Analyse.
An diesem Punkt setzt Milan Pelc mit seinem Beitrag zu Der Sammler und sein
Kaiser. Leopold I. in der Sammlung Valvasor – Die Ikonographie des Kaisers aus der
Perspektive eines adeligen Zeitgenossen an. Johann Weichard Valvasor (1641–1693),
krainischer Feldherr und Polyhistor, zählte zeit seines Lebens zu den bedeutenden
Sammlern druckgraphischer Werke in den Erblanden. Seine Sammlung umfasste
2630 Publikationen und 7921 graphische Blätter, die Valvasor zu mehreren Bän-
den zusammenbinden ließ; um 1690 verkaufte er diese an den Zagreber Bischof
Aleksandar Mikulić. Bis heute bildet die Sammlung Valvasor einen zentralen Bestand
der Bibliotheca Metropolitana in Zagreb.
Valvasor konzentrierte seine Sammlungstätigkeit vor allem auf Darstellungen des
Zeitgeschehens, wobei sein besonderes Interesse Bildnissen von Kaiser Leopold I.
galt. Damit spiegelt seine Sammlung nicht nur die Imagegestaltung und -pflege des
Kaisers im Laufe der ersten drei Jahrzehnte seiner Regentschaft und zeigt die große
Bandbreite repräsentativer (Selbst)-Darstellung des Monarchen (vor allem in Kon-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918