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Sektion III: Netzwerke 229
schen Adels unter Kaiser Karl VI., die ein am Wiener Hof orientiertes reiches Musik-
leben entwickelte. Durch die engen Kontakte mährischer Adeliger – den Winter
verbrachte man zumeist in Brünn, und in den Sommermonaten unterhielt man sich
gerne mit musikdramatischen Aufführungen auf den Landsitzen der jeweiligen Fa-
milien – waren Vernetzung und Austausch innerhalb dieser Gruppe groß. Vor allem
die Herrschaft Jarmeritz entwickelte sich dank ihres musikliebenden Besitzers Johann
Adam von Questenberg zu einem Zentrum des adeligen Musiktheaters. Viele Opern
ließ Graf Questenberg in Mähren erstaufführen, er gab aber auch selbst Kompositio-
nen in Auftrag, bzw. ließ er Stücke nach eigenen Bedürfnissen adaptieren. Aufgrund
seines Anspruchs auf ‚musikalische Bildung‘ seiner Untertanen lud er diese nicht nur
zu den Aufführungen ein, sondern band sie als Mitwirkende auch unmittelbar in das
Geschehen auf der Bühne ein; so erklangen auf dieser bereits Opern in tschechischer
Sprache. In der inhaltlichen Ausrichtung und formalen Gestaltung der Darbietungen
orientierte sich Questenberg oftmals an Werken des Wiener Kaiserhofs, doch deutete
er diese entsprechend seines ausgeprägten mährischen Patriotismus bzw. der Darstel-
lung seiner eigenen Person motivisch mitunter um.
Die Beiträge zum Themenkreis ‚Netzwerke‘ sollen die Mannigfaltigkeit und die
Erstreckung von Repräsentationen aufzeigen. Lässt sich an der Sammlung des Krai-
ners Valvasor die Chronik eines imperialen Images, jenes von Leopold I., ablesen,
so bilden die Tagebuchnotizen Kaiser Karls VI. eine Quelle, die aus dem inners-
ten ‚Zentrum‘ des Hofes stammt und Aufschlüsse über persönliche Intentionen des
Herrschers gibt. Dagegen machen die Strategien des Gesandten Johann Wenzel von
Gallas die Herausforderungen transparent, die es zu bewältigen galt, um sich erfolg-
reich in einander überlappenden Netzwerken zu bewegen. Zuletzt ist es das Musik-
theater der mährischen Aristokratie, das mit seinen bezeichnenden Übernahmen und
Nicht-Übernahmen kaiserlicher Repräsentationsmodi Licht auf die Komplexität der
Relation zwischen Hof und Erblanden wirft.
Anmerkungen
1 Bruno Latour, Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netz-
werk-Theorie, Frankfurt am Main 2007, 224–226.
2 Norbert Elias, Die höfische Gesellschaft. Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der
höfischen Aristokratie, Frankfurt am Main 1983, 230.
3 Elias, Die höfische Gesellschaft (wie Anm. 2), 11.
4 Aleida Assmann, Feste als kulturelle Selbstinszenierungen, in: Sabine Haag/Gudrun Swoboda
(Hg.), Feste Feiern, Ausstellungskatalog Kunsthistorisches Museum Wien, Wien 2016, 29.
5 Zur Differenzierung von Zeremonie und theatralem Fest siehe: Helen Watanabe-O’Kelly, Das Fest
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918