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Der Sammler und sein Kaiser 233
halb des krainischen Adels hervorheben.8 Der Verfasser selbst, der damals 19 Jahre alt
war, war wahrscheinlich nicht eingeladen!
In der Schilderung der Vorbereitungen auf den kaiserlichen Besuch vergaß Val-
vasor auch nicht, einen Beschluss des krainischen Landtags zu erwähnen, laut wel-
chem nach dem Abzug des Kaisers ein Erinnerungsdenkmal in Laibach in Form einer
Gedächtnissäule mit einer Inschrift hätte errichtet werden sollen. Es klingt eigentlich
fast wie eine nachträgliche Entschuldigung an den Kaiser, wenn Valvasor schreibt, dass
vor dem kaiserlichen Besuch „wegen Enge der Zeit, weder Ehren-Pforten oder andere
dergleichen Merckmale einer unterthänigsten Beehrung verfertiget und aufgerichtet
werden kunnten: also ward beschlossen, daß man künfftig, nach dem Keyserlichen
Abzuge, ein Monument und Gedechtniß-Seule mit einer behörigen Inscription (oder
Auffschrifft) der Posterität zur Nachricht und Angedencken, aufrichten wollte, und
solches Ihrer Keyserlichen Majestet, nebst aller unterthänigster Entschuldigung, daß
Dero getreue Land-Stände das gewünschte und höchst-obliegende Zeichen ihrer ver-
pflichtesten Ehrerbietung und Treu-Ergebenheit, für dißmal nicht hetten zu Werck
richten können, allergehorsamst hinterbringen. Welcher Schluß auch, nach der Zeit,
getreulich in das Werck gesetzt worden“.9 Weiter schrieb er nichts mehr davon und
von diesem Ehrenmal findet sich keine weitere Spur.
Kaiser Leopold I. ist in der Sammlung Valvasor wie keine andere historische Per-
sönlichkeit visuell vertreten. An zweiter Stelle folgt – und das ist auch in diesem
Zusammenhang signifikant – der französische König Ludwig XIV., einer der Haupt-
gegner und Rivalen des Kaisers. Bekanntlich war die öffentliche Repräsentation und
Selbstinszenierung des französischen Herrschers in mancher Hinsicht auch für das
Image-making des Kaisers anregend.10 Obwohl also Valvasor auch an Bildnissen an-
derer Potentaten seiner Zeit interessiert war, findet man in seiner Sammlung vor
allem ein reiches und verschiedenartiges Bildmaterial, das über die Imagegestaltung
des Kaisers in den ersten drei Jahrzehnten seiner Herrschaft Zeugnis gibt. Das muss
eigentlich nicht wundern, denn als Chronist war der Freiherr sowohl an den histo-
rischen Ereignissen als auch an den gegenwärtigen politischen Realitäten im Reich
interessiert, in denen der Kaiser die Hauptrolle spielte. Als dann um 1685 die Gra-
phiken und Zeichnungen seiner Sammlung, wohl mit der Absicht, sie zu verkaufen,
gebunden wurden, endete die Beschaffung neuer Bilderzeugnisse fast völlig. Nur die
Flugschriften fanden noch bis zum Jahre 1690 Einlass in die Bibliothek Valvasors.
Graphische Bildnisse
Die meisten Bildnisse des Kaisers in der graphischen Sammlung Valvasor sind an-
lässlich der Kaiserkrönung entstanden, die am 18. August 1658 in Frankfurt am
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918