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234 Sektion III: Netzwerke
Main stattfand und als ein Großereignis mit internationalem Widerhall verstärkte
Medienreaktion hervorrief.11 Die Bildnisse haben meistens die Form von illustrier-
ten Flugblättern, auf welchen die mit symbolischen Motiven ausgestattete Figur des
Herrschers, von entsprechenden Beischriften begleitet, möglichst suggestive Wir-
kung auf die Rezipienten ausüben sollte. Die Porträts des Kaisers sind vorwiegend im
Band XII der Sammlung, dem ‚Porträtband‘, untergebracht, der circa 450 Bildnisse
verschiedener Personen (überwiegend aus dem 17. Jahrhundert) umfasst.12 Die Blät-
ter mit den Bildnissen Leopolds I. sind weder als eine einheitliche Gruppe noch nach
einem chronologischen Prinzip systematisiert. Die Brustbildnisse sind am Anfang
des Bands stellenweise zerstreut, während die Reiterbildnisse des Kaisers mit jenen
anderer Personen vermengt sind.
Erstaunlicherweise ist das erste Bildnis des Bands nicht jenes des Kaisers, sondern
von seinem Schwiegersohn, dem jungen Kurfürst Maximilian II. von Bayern, einem
der Befreier Wiens 1683, der als Feldherr an den anschließenden militärischen Ope-
rationen in Ungarn mit großem Erfolg teilnahm.13 Hierauf folgen zwei Brustbildnisse
des Kaisers, die anlässlich seiner Thronbesteigung 1658 ediert wurden und von denen
es verschiedene Varianten gab.14 Der Monarch wird den Untertanen auf diesen Blät-
tern mit entsprechender Symbolik als eine Ikone des Reichs präsentiert. Besonders
interessant ist das zweite Blatt mit Reichsadler und sieben Kurfürsten (Abb. 1), ediert
bei Paulus Fürst in Nürnberg, das zu einem einprägsamen Memento der Legitimität
kaiserlicher Herrschermacht im Römisch-Deutschen Reich stilisiert ist. Denn Val-
vasor besaß die von Paulus Fürst zu einem späteren Zeitpunkt edierte Version dieses
Blatts, auf welcher der ursprüngliche symbolische Rahmen mit einer neueren Port-
rätbüste des Kaisers besetzt wurde.15
Unmittelbar auf dieses Bildnis folgt eine Habsburgerserie, die gleichfalls von Pau-
lus Fürst anlässlich der Wahl Leopolds I. in Nürnberg ediert wurde. Die Serie hat
die Form der illustrierten Flugschrift mit eigener Titelseite: Aquila Austriaca. Das ist
Historische Beschreibung und Abbildungen Aller Römischen Kaiser und Könige welche
von Rudolpho biß auff Leopoldum auß dem Hause der Grauen von Habspurg erwählet
worden.16 Auch in diesem Fall hat Paulus Fürst eine ältere Habsburgerserie von Jakob
van der Heyden aus dem Jahre 1625 benutzt. Nur die Porträts der drei Kaiser aus der
neueren Zeit, unter ihnen auch dasjenige Leopolds I., wurden von einem anderen
Stecher angefertigt und mit den früheren in einem Heft vereinigt.
Für die Popularität solcher Flugschriften unter den Rezipienten im ganzen Reich
spricht das Vorhandensein einer zweiten Habsburgerserie mit dem Porträt von Kaiser
Leopold I. in demselben Band der Sammlung Valvasor. Sie wurde ebenso zum Anlass
der Kaiserkrönung unter dem Titel Der oft verjüngte Römische Adler. Das ist wahrhafte
Contrafacturen […] Römischer Könige und Kaiser von Gottfried Jonisch in Breslau
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918