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266 Sektion III: Netzwerke
Christian August von Sachsen-Zeitz inne, dessen exekutiver Komprotektor Wolfgang
Hannibal Graf von Schrattenbach (1660–1738) war.11 Eine weitere Schlüsselrolle
besaß der zuständige Stellvertreter (Auditor) beim päpstlichen Appellationsgericht
(Sacra Rota Romana/Tribunal Rotae Romanae). Er vertrat üblicherweise den Kardinal-
protektor sowie den Botschafter und ihm kam u. a. die Aufsicht über die (deutsche)
Nationalkirche Santa Maria dell’Anima zu.12 Zur Zeit des Spanischen Erbfolgekriegs
verteidigten die Auditoren bei der Kurie die kaiserlichen Interessen. Etliche Audito-
ren wurden – ähnlich wie die Gesandten – zu dieser Zeit aus den Reihen des habs-
burgischen Adels rekrutiert.13
Der kaiserliche Botschafter vertrat seinen Souverän körperlich sowie symbolisch,
man musste ihm also dieselben Ehren erweisen wie dem Herrscher selbst. Durch
seine offizielle diplomatische Mission, seine prunkvolle Repräsentation sowie sein
Wirken hinter den Kulissen strebte der Botschafter nach Restitution verlustig gegan-
gener Privilegien und des verlorenen Respekts vor der kaiserlichen Majestät. Die Ziel-
gruppen, die man erreichen wollte, waren nicht nur die bedeutendsten Prominenten
(Kardinäle, Prälaten, Adeligen), sondern auch breite Schichten, die das notwendige
Publikum der veranstalteten Festivitäten bildeten. So sollte die römische ‚kaiserliche
Parthey‘ durch Anhänger aus allen Ebenen der gesellschaftlichen und kurialen Hier-
archie gestärkt werden. Deren Gunst gewann man durch formale Handlungen (Höf-
lichkeiten, Geschenke, Gegenleistungen) sowie durch Protektion (Beförderungen,
Titel-, Diplom- und Lehensverleihungen) und schließlich durch direkte Bestechung.
Die diplomatisch anspruchsvolle Zeit begann bereits vor dem Ausbruch des Spa-
nischen Erbfolgekriegs. Ab 1689 in Rom, bemühte sich Anton Florian Fürst von
Liechtenstein (1656–1721) intensiv darum, das damals tief gesunkene kaiserliche
Prestige zu stärken, die Ansprüche seines Souveräns wieder geltend zu machen und
dessen Position auf der „Bühne“ des römischen teatro del mondo zu festigen. Obwohl
das Leben der barocken Oberschichten ohnehin eine permanente Inszenierung war,
entsprach das römische Zeremoniell geradezu einer Wissenschaft, die man sich ohne
Hilfe detaillierter Handbücher und Tabellen nicht aneignen konnte (Abb. 2). Um
den zahlreichen Kollisionen von weltlichen und kirchlichen Hierarchien auszuwei-
chen, bevorzugte man häufig eine informelle Begegnung al incognito. Der von Fürst
Liechtenstein zusammengestellte Zeremonialkodex blieb maßgebend für alle künfti-
gen kaiserlichen Abgesandten.
Nach Liechtensteins Abreise ernannte der Kaiser den Gran Contestabile des Kö-
nigreichs Neapel, Filippo Alessandro Colonna (1663–1714) – das Haupt des promi-
nenten italienischen Geschlechts, dessen Gunst er für Wien für essentiell hielt – zu
seinem außerordentlichen Botschafter. Wahrscheinlich der treueste pro-habsburgi-
sche Adelige Italiens war damals Livio Odescalchi (1652/1658–1713) – der Neffe
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918