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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 271 -
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Habsburgische Propaganda des kaiserlichen Botschafters 271 der Botschafter in Rom al incognito. Das war zwar einerseits billiger, andererseits schränkte es die diplomatisch-politische Aktivität des Botschafters beträchtlich ein, denn in dieser Position konnte er sich noch nicht diplomatisch für seine Ziele einset- zen. Aus diesem Grund hatte man sich bereits in einigen Fällen für einen verfrühten Einzug – ohne eigene Paradekutschen – entschieden. Doch bei einem Einzug mit ausgeliehenen (oder nicht so prächtigen) Kutschen riskierte man negative Reaktio- nen beim römischen Publikum. Und gerade dies geschah im Mai 1714, als Gallas auf Drängen Wiens seinen offiziellen Einzug verfrüht durchführte.33 Der Graf konnte nicht auf die Fertigstellung seines pompösen Kutschenkonvois warten und musste sich für diesen Zweck die Kutschen des Kardinals Francesco Barberini ausborgen. Mit insgesamt nur 126 Wagen stellte sein öffentlicher Einzug am 13. Mai 1714 ein gesellschaftliches Debakel dar.34 Zum Vergleich: Das Gefolge bei der Abschiedsaudi- enz des Fürsten von Liechtenstein im Jahr 1694 sowie der Einzugskonvoi des Grafen von Martinitz im Jahr darauf hatten aus mehr als 300 Kutschen bestanden.35 Ebenso ungefähr 300 Wagen hatte man bei der ersten Audienz des Ambassadeurs Turinetti im Jahr 1710 gezählt. Dennoch, seit dem Tag seiner ersten offiziellen Audienz (22. Mai 1714) musste man Gallas öffentlich und ausnahmslos alle Ehren und Respekt erweisen. Den kleinsten Fehler im Bereich des diplomatischen Zeremoniells empfand man als Verletzung der kaiserlichen Majestät – mit allen weitreichenden Konsequen- zen. Ein Botschafterkonvoi bestand damals in der Regel aus fünf bis zehn Paradekut- schen, wobei die wichtigsten (und prunkvollsten) die ersten drei bis fünf Sechserge- spanne waren. Die Paradekutschen wurden direkt in Rom bei Spezialisten – manch- mal bereits im Voraus – in Auftrag gegeben. Deren Herstellung kostete nicht nur eine enorme Geldsumme, sondern auch Geduld. Beide Aspekte – Geld und die notwen- dige Zeit – hatten zur Folge, dass man in einigen Fällen den feierlichen Ingresso um einige oder sogar viele Monate verschieben musste. Es konnte auch passieren, dass es überhaupt nicht zu einem offiziellen Einzug kam, was man aber als eine öffentli- che Schande ansah. Graf Lamberg (1700) zahlte für seinen Konvoi (treno) 100.000 Gulden,36 Gallas rechnete sogar mit 200.000 Gulden (einschließlich Livreen).37 Wie bereits angemerkt: Die Öffentlichkeit beobachtete und kommentierte die Botschaf- tereinzüge und deren Kutschen mit größter Aufmerksamkeit. Eine geringe Zahl von Kutschen marginalisierte das Prestige des Einzugs. Die Ent- täuschung der Öffentlichkeit sowie der wichtigen Beobachter, die in Rom den ‚ge- wöhnlichen‘ Prunk erwarteten, führte zu unverhohlener Kritik und sogar Verachtung, die nicht nur den Botschafter, sondern auch dessen Souverän (!) treffen konnte. Als eine solche internationale Schande galt beispielsweise der Einzug des venezianischen Gesandten Erizzo „in forma Pauperit“ im Frühjahr 1700. Und man schrieb darüber
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur