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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 293 -
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Musikdramatische Aufführungen als Spiegel musikalischer Feste am Wiener Kaiserhof 293 programmatisch für Questenberg war sein mährischer Patriotismus. Ein mährisch geprägtes Programm findet man daher sowohl in der Architektur und der Ausstattung des Jarmeritzer Schlossareals als auch in musikalischen Werken. Vor allem die drei Opern L’amor non ha legge (1728)25, L’origine di Jaromeriz in Moravia (1730)26, und Il delizioso ritiro scielto da Lucullo, console Romano (1738)27, die im Auftrag Questenbergs entstanden sind, folgen seinen patriotisch-politischen Ideen und spiegeln die Lebenseinstellung und -ziele des Grafen wider. L’amor non ha legge (1728) L’amor non ha legge ist eine Favola pastorale, die „in der angenehmen Gegend des Landes von Thessalien“ angesiedelt ist. Thessalien wird hier mit Jarmeritz identifi- ziert, während die Schäfer die Jarmeritzer Bewohner darstellen. Das zentrale Motiv der Handlung ist die Liebe eines Adeligen zu einer einfachen Schäferin. Ortensio, der Herrscher von Thessalien, hat an den einfachen Zerstreuungen, die das ländliche Leben bietet, Gefallen gefunden. Die Oper ist eine Verherrlichung des Lebens in der Natur, und die idyllischen ländlichen Lustbarkeiten stehen im schroffen Kontrast zur Stadt und sogar zum Hof. Ortensio war – wie es im Argomento steht – vom einfachen Leben so bezaubert, dass er „[...] weder an den Hoff, noch an die Stadt“ dachte. Und gerade der atypische Abschied eines Adeligen aus seinem Milieu, das Abwenden vom Hof, der doch alle Karrierechancen bot, und Ortensios Übersiedlung auf das Land erinnern auffällig an das spätere Lebensschicksal Graf Questenbergs – das Libretto verrät also Questenbergs persönliche Wünsche, die er später auch verwirklichte. Die Situation Ortensios – und damit diejenige von Questenberg bei Hof – werden gleich im ersten Rezitativ der Oper ungewöhnlich explizit präsentiert. Über den Hof, der als ein Haufen ebenso verlogener wie eitler Intriganten charakterisiert wird, spricht der Astrologe Albondi, eine Figur, die das pastorale und aristokratische Milieu verbindet. In seiner Rolle eines weisen Greises, der in seinem Leben beide Sphären unmittelbar erlebt hat (er lebt zwar unter den Schäfern, in seiner Jugend hat er jedoch auch das Leben bei Hof kennengelernt), tritt er als Kommentator des Geschehens und von Erlebtem auf: „[...] und die Betrüge deren jenigen erfahren, welche vor adelich wollen ange- sehen seyn. Ihre süsse Wort, artige Gebährden grosse Verheissungen, liebreit- zende Gesichter, rauben dir zwar das Hertze, aber hernach im Werck findest du an ihnen ein grausambes verwürffliches und hoffärtiges Volck, einen Feind der Wahrheit, [...]. Unter dem Deckmantel der Auffrichtigkeit verbergen sich jederzeit die Hefftigkeit, Betrug- und Verräthereyen.“
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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