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Sektion IV: Zeremonielle Räume und die
„Öffentlichkeiten“
Elisabeth Hilscher/Herbert Karner
Die vierte und letzte Sektion versucht sich dem Phänomen der Repräsentation über
ihre räumlichen Kontexte anzunähern. Der vielzitierte spatial turn hat auch in den
Disziplinen der Geschichte, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft eine Reihe von
methodischen Impulsen gegeben.1 Die folgenden vier Beiträge zeigen eindrücklich,
dass gerade die – für alle drei Disziplinen relevante – Repräsentationsforschung sich
mittels Wahrnehmung von Repräsentation als räumlichem Phänomen neue Zugänge
sichert. Dabei ist es die Herausforderung, die Diskrepanzen der unterschiedlichen
Raum-Modelle der beteiligten Disziplinen zu überbrücken. So stehen das soziolo-
gische Modell, das Raum über die Präsenz von sozialen Akteuren definiert, und das
materiell-architektonische Modell, das Raum über Architektur (dauerhaft wie ephe-
mer) erfasst, in einem Spannungsverhältnis, das manchmal schwer aufzulösen ist.
Der vielschichtige Begriff des ‚Klangraums‘2 findet in diesem Zusammenhang wohl
am ehesten einerseits als Raum, in dem Musik für eine gewisse Zeit lang und zu
einem bestimmten Anlass erklingt, wie als Raum einer Sozialgemeinschaft mit ähnli-
chem Musikverständnis Anwendung.
„Repräsentation ist die Vergegenwärtigung von Abwesendem oder Unsichtbarem
im Raum sozialer Beziehung mit Hilfe von Medien vielfacher Art (Körper, Klei-
dung, Sprache, Text, Wappen, Inschrift, Bild, Porträt, Thron, Brief, Geschenk)
oder von symbolischer Interaktion bzw. statischer oder performativer Kommunika-
tion (Architektur, Raumordnung, Einzug, Prozession, Fest und Feier)“.3 Für diese
Modi der Vergegenwärtigung bedarf es immer auch konkreter, architektonisch oder
topographisch definierter Räume, die zumeist auch zeremoniell verfasst und/oder für
eine sogenannte ‚Öffentlichkeit‘ zur Verfügung stehen.4
Öffentlichkeit steht auf der Seite der Adressaten, der Empfänger der Botschaft.
Sie steht aber auch in unmittelbarer Verbindung zu den ‚Räumen‘, weil die Öffent-
lichkeit als abstraktes Zielpublikum auch mit Räumen korrespondiert: public space,
court space, city space.
Der vielschichtige Begriff der ‚Repräsentation‘ wird in den Beiträgen schlaglicht-
artig auf Ereignisse zwischen dem Hochbarock und dem späten 19. Jahrhundert an-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918