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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 304 -
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304 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“ der die vielfach zu plakativ interpretierte ‚Kaiserstil‘-Hypothese8 für die Musik. Denn die diversen Stücke von Fux (in vielen Fällen geistliche Werke) wurden keineswegs 1:1 aus der Hofmusikkapelle übernommen, sondern den örtlichen Gegebenheiten bzw. bei längerem Gebrauch auch neuen stilistischen Moden angepasst und durchaus selbstbewusst bearbeitet, d. h. die Usancen am Kaiserhof nach den örtlichen Gege- benheiten modifiziert. Damit wurde aber auch die Gültigkeit des höfischen Klang- raums verändert, in welchem diese Werke von Fux Bestand hatten; letztere wurden lokalen oder stilistischen Kriterien angepasst und damit in neue Öffentlichkeiten übertragen. Auch die Person des Komponisten erfuhr offenbar im Laufe der Zeit eine Transformation: Sie wurde immer weniger als ‚Caroli VI. erster Capellmeister‘ gesehen (das Siegel, mit dem sich der Komponist selbst und seine Zeitgenossen ihn versahen), sondern zunehmend als ‚österreichischer Palestrina‘, als der große Kon- trapunktlehrer, als der ihn sein Karl VI. gewidmetes Lehrwerk Gradus ad Parnassum (1725) auswies – ein Bild, das bereits in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts das Bild des berühmten Hofkapellmeisters zu überdecken begann. Wie aus den Tabellen her- vorgeht, wurde auch das Werk in diesen Prozess miteinbezogen. Es repräsentierte im- mer weniger den Kaiserhof und dessen Hofmusikkapelle, sondern mutierte zu – und dies ist daran abzulesen, welche Werke nun verstärkt rezipiert wurden – Lehrwerken und Beispielliteratur des großen Kontrapunktlehrers Fux. Mirjana Repanić-Braun (Institute of Art History, Zagreb) erläutert in ihrem Beitrag Representation of the Habsburgs in Croatian Historical Lands. Public Spaces and Religious Art as Public Tools die unterschiedlichen Möglichkeiten der symboli- schen Landnahme durch die habsburgischen Landesherrn. Ein besonders einpräg- sames Beispiel für die herrscherliche Präsenz im öffentlich-städtischen Raum bietet die Küstenstadt Rijeka. Das dort 1753 in der heutigen Form errichtete Stadttor mit den Reliefbüsten Leopolds I. und Karls VI., dessen komplizierte Entstehungs- und Veränderungsgeschichte aufgerollt wird, zeigt die erstaunlich großzügige Gewährung von öffentlichem Raum durch die Stadtverwaltung für die Darstellung der Habsbur- ger. Als anschauliches Beispiel für die symbolische Beherrschung des sakral-liturgi- schen Raums nennt die Autorin die 1756/63 erbaute Kirche der – von Bischof Franjo Thauszy – neu gegründeten Pfarre von Požega. Dem Patrozinium entsprechend ist das Hochaltarblatt der hl. Theresa von Avila, Namensheilige der Königin Maria The- resia, die das Blatt auch persönlich gestiftet hatte, gewidmet, die von der bemerkens- werten Ausformung des Altarabschlusses als Stephanskrone als ungarische Königin angesprochen wird. Beide Beispiele zeigen die komplexe und mehrseitig angelegte Interessenslage habsburgischer Repräsentation. Symbolische Repräsentationshandlungen mit unmittelbarer Auswirkung auf die Realpolitik und ihre bisweilen eminent politisch-ausgleichende Funktion stellt Pe-
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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