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Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“ 305
ter Konečný in seinem Beitrag Der Herrscher im Bergwerk. Visitationsreisen der
Habsburger-Lothringer in die ungarischen (slowakischen) Bergreviere am Beispiel der
Reise von 1764 dar. Der wirtschaftspolitischen Bedeutung der niederungarischen
Bergwerkstädte für die Dynastie entsprechend war die Reise der Thronfolger, des Rö-
mischen Königs Josephs und des Erzherzogs Leopold, gemeinsam mit ihrem Schwa-
ger Albert Kasimir von Sachsen, wesentlicher Teil einer politischen Entspannungs-
strategie. Es galt, massive Interessenskonflikte zwischen den Bergstädten (Kremnitz,
Schemnitz und Neusohl) selbst, dem erstarkenden ungarischen Adel, der Dynastie
und der ärarischen Montanverwaltung durch differenzierte, hierarchisch fein aus-
gewogene Repräsentationshandlungen im Rahmen der Reise auszugleichen. Dabei
gelingt es dem Autor, diese Visitationsreise von 1764 sehr genau am Schnittpunkt
von dynastischen, montanistischen, städtischen und ständischen Repräsentationsab-
sichten zu porträtieren.
Der kroatische Historiker Filip Šimetin Šegvić (Universität Zagreb) untersucht
in seinem Beitrag Zagreb/Agram als zeremonieller Raum 1895: Kaiser Franz Joseph
und die dynastische Repräsentation die mit dem Kaiserbesuch verbundene Ausbildung
von temporären zeremoniellen Räumen in der Stadt. Die mannigfachen politischen
Implikationen und die Notwendigkeit der Rücksichtnahme auf nationale Befind-
lichkeiten (kroatisch, ungarisch) und staatsrechtliche Dimensionen (Dreieiniges
Königreich, Ungarisch-Kroatischer Ausgleich, Österreich) bildeten hierfür äußerst
komplexe Rahmenbedingungen. Offizieller Anlass des Besuchs war die feierliche Er-
öffnung von Neubauten einer Reihe von Kultur- und Schulinstitutionen.
Mit den Mitteln der Architektur, der Malerei, der Musik, des Theaters, der ephe-
meren Festinszenierung und des Kunstgewerbes wurden unterschiedliche Stadtbe-
reiche auf hierarchisierende Weise für unterschiedliche Publikumsgruppen zeremo-
niell erschlossen. Für die Eliten (Vertreter der Konfessionen, Militär, Politik und
Aristokratie, Kunst und Wissenschaft) wurden dabei andere Räume geschaffen als
für das einfache Volk. Die Überlagerung des Stadtraums mit virtuellen, nur zum
Zeitpunkt der konkreten Handlung real existierenden Zeremonialräumen konnte
einerseits mit einfachen, aber wirksamen symbolischen Mitteln, etwa die Aufschüt-
tung des Bahnhofsplatzes mit gelbem, aus Ungarn importiertem Sand erfolgen, der
das Betreten von zu allererst ungarischem (und nicht kroatischem) Boden sicher-
stellte. Es wurden aber in gleicher Weise sublime Mittel verwendet wie die Errich-
tung von Klangräumen im Rahmen des musikalischen Programms, das sehr gezielt
die unterschiedlichen politischen Ebenen in die Begegnung mit dem König imple-
mentieren konnte.
Die vier Beiträge dieser Sektion sind individuelle Sondierungen zu bestimmten
Fragestellungen innerhalb des breiten Forschungsgebiets der Repräsentation und ih-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918