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322 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
Schrifft nur von einem mel-
det. Es trit nach ieden Punct
ein andrer Fugen=Satz oder
Nachahmungs Cläuselgen
ein; aber man hält immer
still, und bemercket keinen
Absatz in der Zeit=Maasse.
Das eintzige Ave muß sich
einer gefallen lassen über
funfzehnmahl zu hören; Ma-
ria neun oder zehnmal, und
das ist gnädig; etc. Dominus
tecum erklingt eben so offt,
mit einer lauffenden Figur
und einem langen Aushalten
auf dem merckwürdigen Worte tecum. [...] Bey allen diesen führt der Sopran
den Gregorianischen hieher gehörigen Gesang auf das steifeste und festeste:
nehmlich den hochgeehrten Cantum firmum. Das laßt mir ein heutiges Model
seyn! Gute Harmonie! Schöne Harmonie! Aber kein Verstand; keine Melodie;
keine Gemüths=Bewegung; keine Einschnitte! etc.“35
Das erwachende Interesse am historischen Kontrapunkt, das nicht nur Werke von
Bach und Händel, sondern partiell eben auch Kompositionen von Johann Joseph Fux
erfasste, sorgte für deren, obgleich schmale, Konstanz auch im Repertoire. Was vor-
mals zu Studienzwecken abgeschrieben wurde, gelangte im Zeichen der kirchenmu-
sikalischen Restaurationsbestrebung des Cäcilianismus ab den 1830er-Jahren wieder
zur Aufführung – in diesem Sinne ist die im Salzburger Dommusikarchiv verwahrte
Partitur von Fuxschen Werken im vierstimmigen A-cappella-Satz als Grundlage zur
Erstellung von Aufführungsmaterial zu verstehen. Zuvor schon war Fux durch seine
Missa di San Carlo (K 7), deren Sätze eine in verschiedenen Intervallabständen ge-
führte kanonische Anlage aufweisen, in einen elitären Kreis kirchenmusikalischer
‚Klassiker‘ aufgestiegen, indem dieses Werk 1812 oder 1813 bei Ambrosius Kühnel
Abbildung 3: Titelblatt der von
Johann Gottfried Schicht als Messa
canonica herausgegebenen Missa di
S. Carlo (K 7) von Johann Joseph
Fux (in: Ausgabe Leipzig, Ambrosius
Kühnel 1812 oder 1813, [289,5]).
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918