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Spielball der Repräsentation? 323
in Leipzig durch den seit 1810 als Thomaskantor wirkenden Johann Gottfried
Schicht als Messa canonica erstmals herausgegeben wurde; wenig später erschien eine
zweite Auflage, diesmal im Musikverlag Peters.36 Das Titelblatt (Abb. 3) weist Fux
nach wie vor als „Maestro di Capella di Carlo sesto Imperatore de’ Romani, e Re di
Spagna“ aus. Doch wenig später verliert sich diese Beifügung. Die weitere Rezeption
unterliegt Kriterien, die eines personell-habsburgischen Bezugs nicht mehr bedür-
fen. Sie wird nicht nur von kirchenmusikalischen Idealen geprägt, sondern ersteht
in enger Verbindung mit den Bestrebungen des musikalischen Historismus und ei-
nem aufkommendem Bewusstsein von Nationalkultur, beginnend mit dem ersten,
wenn auch kursorischen Werkverzeichnis für Fux durch Ernst Ludwig Gerber 180637
und einem vaterländisch gefärbten biographischen Beitrag, den Franz Sales Kandler
1820 in der Allgemeinen musikalischen Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den Ös-
terreichischen Kaiserstaat veröffentlichte.38 Die Instrumentalisierung des dynastischen
Verweises war erloschen; nur einmal noch flackerte sie auf, gegen Ende des 19. Jahr-
hunderts rund um Guido Adlers musikhistorische Forschungen und die Gründung
der Denkmäler der Tonkunst in Österreich.39
Anmerkungen
1 Die einführenden Passagen dieses Beitrags folgen der Einleitung des Autors im Thematischen Ver-
zeichnis der Werke von Johann Joseph Fux (FuxWV), Bd. 1, Wien 2016, XIII–XIX.
2 Johann Mattheson, Grundlage einer Ehren-Pforte, woran der Tüchtigsten Capellmeister, Compo-
nisten, Musikgelehrten, Tonkünstler etc. Leben, Wercke, Verdienste etc. erscheinen sollen, Hamburg
1740.
3 Johann Mattheson, Critica Musica, Bd. 2, Hamburg 1725, Nachdruck (Musiktheoretische Schrif-
ten des 17. und 18. Jahrhunderts im Faksimile 4), Laaber 2003, 200; Fux hatte diese Zeilen über-
sandt, nachdem er von Mattheson zum dritten Mal um eine Biographie gebeten worden war. Auch
zwei spätere Versuche Matthesons, einen Lebenslauf des kaiserlichen Hofkapellmeisters zu erhalten,
blieben erfolglos. Vgl. Othmar Wessely, Johann Joseph Fux und Johann Mattheson (Jahresgabe der
Johann-Joseph-Fux-Gesellschaft 1964), Graz 1965, bes. 11 f.
4 Mattheson hat im Zuge der Diskussion sämtliche ihm zugesandten Schreiben von Fux veröffent-
licht, wobei er manche Stellen der Fuxschen Briefe strich und dazu kommentierte: „Was hier fehlt
wird mit Fleiß ausgelassen“. – Mattheson, Critica Musica (wie Anm. 3), 185–206, Zitat 200,
Anmerkung a; vgl. dazu ferner Wessely, Fux und Mattheson (wie Anm. 3), 4‒10.
5 Fritz Posch, Heimat und Herkunft des Johann Joseph Fux, in: Mitteilungen des Instituts für Ös-
terreichische Geschichtsforschung 63 (1955), 396‒402, hier 397; Hellmut Federhofer, 25 Jahre
Johann-Joseph-Fux-Forschung, in: Acta Musicologica 52 (1980), 155‒194, hier 156 f., weist dage-
gen anhand etlicher Quellenstellen nach, dass Fux seine bäuerliche Herkunft durchaus nicht verbarg.
6 In Ansätzen erstmals zu lesen bei Ernst Ludwig Gerber, Art. „Fux (Johann Joseph)“, in: Neues
historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler. Zweyther Theil, Leipzig 1812–14, Sp. 225‒230,
hier 227‒230, dann auch mehrfach bei Ludwig von Köchel, Johann Josef Fux. Hofcompositor
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918