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350 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
Gran und Fürst-Primas von Ungarn Kardinal Peter Pázmány (1570–1637) nicht nur
die Münze21 in Kremnitz, sondern auch die Silberbergwerke und Hütten in Schem-
nitz und die Kupferbergwerke und -produktion bei Neusohl. Diese unterstanden
allerdings seit der Mitte des 16. Jahrhunderts direkt der kaiserlichen Kammerver-
waltung (k. k. Niederösterreichische Kammer), und sein Besuch wurde mit sehr gro-
ßem Widerwillen zur Kenntnis genommen. Dem Schemnitzer Oberkammergrafen,
als dem zuständigen ärarischen Oberbergbeamten, wurde danach befohlen, solche
Besuche ausschließlich nach vorheriger Bewilligung durch die vorstehende Wiener
Behörde stattfinden zu lassen.22 Bereits diese Episode aus dem ersten Drittel des
17. Jahrhunderts zeigt das angespannte Verhältnis zwischen dem ungarischen Hoch-
adel und der kaiserlichen Kammerverwaltung bezüglich der Verwaltungsrechte an
den in Ungarn liegenden Edelmetall- und Kupferbergwerken und den mit ihnen
verbundenen Produktionen.
Die politischen und pädagogischen Motivationen für die Reise Josephs, Leopolds und Al-
bert Kasimirs nach Niederungarn
Die Reise der Söhne und des Schwiegersohns knüpfte eindeutig an das Vorbild der
letzten kaiserlichen Reise an, allerdings ergaben sich auch neue Motivationen und
Schwerpunkte, die nicht nur mit dem größeren Umfang der Reise zu tun hatten.
Nachdem Joseph, Leopold und Albert Kasimir einige Tage zuvor an den Sitzungen
des im Sommer 1764 in Preßburg gehaltenen ungarischen Landtags teilgenommen
hatten, begaben sie sich im Anschluss daran in Richtung Nordosten in das niederun-
garische Bergbaugebiet.23
Der bereits mehrere Wochen zuvor sorgfältig geplante Besuch wurde auf den
ausdrücklichen Wunsch der Eltern ins Programm der Ungarnreise der Söhne auf-
genommen. Franz I. Stephan und Maria Theresia, die sich auch sonst intensiv um
die Bildung ihrer Kinder kümmerte, wählten absichtlich diesen montanistischen
Schwerpunkt für die Reise ihrer Söhne.24 Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie dadurch
die Erzherzöge stärker an die praktische (in diesem Fall montanistische) Wissens-
kultur als Ergänzung zu der Bildung am Hof heranführen wollten. Gleichzeitig aber
war der Besuch auch ein wichtiges aktuelles Politikum. Es galt die auf dem Landtag
in Preßburg erneut erhobenen Ansprüche der Ungarischen Hofkammer deutlich ab-
zuwehren. Beherrscht vom ungarischen Hochadel versuchte diese Behörde bereits
1749 die Verwaltungshoheit über den staatlichen Bergbau und zusammenhängende
Angelegenheiten zu erlangen, so wie es bereits im Jahr 1743 im Fall des Salzwesens
gelungen war.25 Damit würde eine weitere besonders wichtige Einkommensquelle der
direkten Kontrolle der Wiener Zentralverwaltung entzogen werden.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918