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356 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
Repräsentationsstrategien der Habsburg-Lothringer und der Bergstädte
Die Repräsentation der Habsburger Dynastie wird im einzigen erhaltenen Ehren-
pfortenentwurf (Abb. 5) anlässlich der Reise von 1764 symbolisch aufgeladen visua-
lisiert. Genau wie die Entwürfe (und auch Realisierungen) von 1751 stammt auch
dieser vom Schemnitzer Maler Anton Schmidt. Laut Jozef Medvecký wurde der erste
Entwurf von der Hofkammer als „zu theatralisch“ abgewiesen.38 Und tatsächlich wer-
den in dem ursprünglichen Entwurf39 die massiven Seitenemporen von perspektivi-
scher Pfeilerarchitektur getragen, die stark von den Übereck-Szenenentwürfen des
Giuseppe Galli da Bibiena inspiriert ist. Für den zweiten Entwurf, der schließlich
gebaut wurde, entschied Schmidt sich für eine Version, die stärker von der klassizis-
tisch-barocken Portalarchitektur beeinflusst ist, wobei er sich auch leicht an seinen
eigenen Entwurf der Ehrenpforte für Kremnitz von 1751 anlehnt. Doch statt des
Durchgangs in Form einer stilisierten Bergwerkslandschaft mit Stollen benutzt er
unspezifisch festonierte Doppelpilaster im unteren Teil des dreibogigen Durchgangs.
Oberhalb des Hauptbogens waren Begrüßungsformeln an den Römischen König ad-
ressiert.40 Das ikonographische Programm mit zahlreichen mythologischen Figuren
spielte sich im oberen Teil der Ehrenpforte oberhalb der Emporen mit Balustraden
ab. Dieses Programm war durch lateinische epigrammatische Mottos41 ergänzt. Sie
wurden von den Piaristen aus Priwitz (Prievidza) beigetragen und durch die obersten
Hofstellen bewilligt.42
Das Instrumentarium der Mythologie spiegelt hier in konzentrierter Form die
Selbstdarstellung der Habsburg-Lothringer wider, besonders der vier prominentes-
ten Mitglieder – des kaiserlichen Paars und der beiden ältesten Söhne. An zentraler
Stelle steht ein Thron mit dem Reichsadler, auf dem Joseph als der neugekrönte
Römische König sitzt. Er wird von der Aufschrift43 als eine Persönlichkeit, die sogar
den Thron überragt, gefeiert, möglicherweise aber gleichzeitig auch zu mehr Edelmut
aufgefordert. Zu seinen Füßen die vier Elemente, die nicht nur das an Naturressour-
cen reiche Land, sondern auch ihre Bedeutung beim Bergbaubetrieb repräsentieren.44
Hinter ihnen die Personifizierung der Vigilantia mit einem Motto45, das man nicht
nur allgemein als Regierungsmaxime, sondern auch im Bezug auf den Bergbau als
Referenz zu den Gefahren der Bergmannsarbeit lesen könnte. Obligatorisch ist die
Anwesenheit der drei Tugenden46, die auf das oben auf einer Wolke thronende Göt-
terpaar Jupiter und Juno weisen. Diese verkörpern niemanden anderen als den Kaiser
und die Kaiserin. Jupiter schüttet statt Blitzen aus einem Füllhorn Geld47 und Juno
weist belehrend mit ihrem Zepter auf Joseph und mahnt ihn dazu, sich von der
Rechten Jupiters (Franz I. Stephans) führen zu lassen.48 Rechts von Joseph steht die
Weisheit, die ein Bild Leopolds präsentiert und seine Klugheit und manuelle Bega-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918