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362 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
Joseph, Leopold und Albert Kasimir sollten bei dieser Gelegenheit als gelehrte
künftige Herrscher und Statthalter, die die Bedeutung des Bergbaus für die Wirt-
schaft des Landes und der ganzen Monarchie verstehen, präsentiert werden. Der
Schnellkurs in den Montanwissenschaften, den sie durch das Studium vor der Reise
und das intensive Vor-Ort-Instruieren absolvierten, war vor allem für Leopold ein
prägendes Erlebnis. Absicht war es auch, dass die drei Prinzen teilweise direkt in die
Fußstapfen des Kaisers traten und einige derselben Orte (über und unter Tage) be-
suchten. An mehreren Orten wurden sie vom begleitenden Bergbeamten ausdrück-
lich daran erinnert. Bemerkenswert ist der Unterschied in der Repräsentation Josephs
und Leopolds, wie er sich u. a. auch bei der Kremnitzer Ehrenpforte zeigt. Wurde
Joseph als der junge König und Thronfolger mit Ambitionen dargestellt, zeigte man
Leopold bereits damals als wissbegierigen Jüngling, der mit dem Erze umzugehen
wisse.
* Die Forschung zu diesem Beitrag wurde durch Národný štipendijný fond und das Forschungsprojekt
VEGA 2/0074/15: Ars apodemica alebo umenie cestovať finanziert.
Anmerkungen
1 „Dieses Himmelslicht umgibt das Geschlecht der Habsburger, [und] unter ihrem Einfluss glänzt
[auch] unser Bergwerk.“ Ein Motto am allegorischen Ehrengerüst, das 1764 anlässlich des Besuchs
des Römischen Königs Joseph II., Erzherzogs Leopold und Albert Kasimirs von Sachsen in der Form
einer allegorischen Darstellung eines Bergwerks in der Bergstadt Neusohl aufgestellt wurde, Wiene-
risches Diarium, 5. 9. 1764.
2 Eine Ausnahme bildet die Reise des Kaisers und ungarischen Mitregenten Franz I. Stephans, der im
Jahr 1751 die niederungarischen Bergstädte Schemnitz und Kremnitz besuchte. Vgl. Eva Kowalská/
Mária Čelková (Hg.), Zlatá a strieborná cesta cisára Františka Lotrinského po stredoslovenských
banských mestách, Banská Štiavnica-Bratislava (Slovenské banské múzeum – Historický ústav SAV),
2001 und Mária Čelková, Der Kaiser kommt! Zum Einfluss des Wiener Hofs auf Wissenschaft
und Kunst in den niederungarischen Bergbaugebieten in der Mitte des 18. Jahrhunderts, in: Renate
Zedinger/Wolfgang Schmale (Hg.), Franz Stephan von Lothringen und sein Kreis, Bochum 2009,
247–256. Anhand der Akten aus dem Ungarischen Nationalarchiv untersuchte die Reise von 1764
Krisztina Kulcsár, II. József „udvari“ utazása, 1764, in: Leveltári Közlemények 70 (1999), 39–77.
Sie bezeichnet diese Reise als eine ‚Hofreise‘, was sie in zeremonieller Hinsicht auch war.
3 Heute in der zentralen Slowakei liegend.
4 Miroslav Lacko, Štátne financie habsburskej monarchie a uhorská meď v období vojny o rakúske
dedičstvo, in: Historický časopis 63 (2015), 3–26 und 209–30.
5 Österreichisches Staatsarchiv, Finanz- und Hofkammerarchiv, Handschriftensammlung 243/C,
Summarium von 1761.
6 Darauf weisen u. a. auch der Entwurf der Ehrenpforte von Anton Schmidt (Slovenské banské mú-
zeum, Inv.-Nr. UH 1070) mit beiden Herrschern oder die bereits geprägten Medaillen zur Ankunft
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918