Seite - 368 - in Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Bild der Seite - 368 -
Text der Seite - 368 -
368 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
der Reisen des Kaisers, die im Kern eine einfache Aufgabe erfüllen sollten, nämlich
dem Herrscher ein Gesicht zu geben und es den Untertanen zu zeigen, wird dieser
Zweck leicht sichtbar. Ein primäres Ziel der Kaiserreisen war es, die Verbindung des
Zentrums mit der Peripherie zu halten und den Monarchen zu präsentieren. Dabei
entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere Ebenen natio-
naler, dynastischer und anderer Repräsentationen, die oft parallel oder miteinander
verwoben wirkten.
Franz Joseph I. verwendete eine Kombination von traditionellen kaiserlichen, kö-
niglichen und sakralen sowie neu erfundenen Ritualen, um das Bild der frommen
Dynastie zu erneuern. Spätestens nach der Revolution von 1848 war dem Kaiser
bewusst, dass die öffentliche Wahrnehmung des Kaiserhauses in den Ländern nicht
durchgehend positiv war. Aus diesem Grund sollten zeremoniell streng durchge-
plante Rituale, Massenmanifestationen (große Welt- oder Landesausstellungen, Jubi-
läen usw.), Kaiserreisen und andere Ereignisse schrittweise ein neues, positiveres Bild
von Kaiser und Dynastie bei der Bevölkerung hervorrufen.3
Franz Joseph I. zum dritten Mal in Agram
Nachdem der kroatische Banus Graf Károly Khuen-Héderváry (1849–1918) mit
dem Kaiser und König Franz Joseph im September 1895 einen Besuch in Agram
vereinbart hatte4, wurde diese Nachricht sorgfältig im kroatischen Medienraum ver-
öffentlicht.
Während von kroatischer Seite das Hauptmotiv für die Einladung war, die Stabili-
tät und den Erfolg des Regimes öffentlich zu präsentieren, war es dem Kaiser wichtig,
auf die innere Stabilität des schon wackligen Dualismus in Ungarn hinzuweisen.
Nach einigen weniger erfolgreichen Kaiserreisen (Böhmen, Galizien) sollte dieser Be-
such öffentlich beweisen, dass sich ein wichtiger Teil Ungarns, Kroatien-Slawonien,
unter dem Dualismus friedlich weiterentwickelte.5 Der Banus persönlich, einige Mit-
glieder der kroatischen Landesregierung sowie der Bürgermeister von Zagreb, Adolf
Mošinsky (1843–1907), kündigten die freudige Nachricht vom Besuch des Königs
im September 1895 festlich an.6 Unmittelbar nach dieser Bekanntmachung wurde
die Stadt schrittweise zum zeremoniellen Raum transformiert. Dabei werden vier
unterschiedliche, parallele Inszenierungsebenen erkennbar, die sowohl offiziellen als
auch inoffiziellen Charakter hatten.
Die offizielle dynastische Ebene der geplanten Kaiserreise ist mit den anderen kai-
serlichen Besuchen und Kaiserfesten in Zisleithanien bzw. Österreich oder Galizien
vergleichbar. Im Zentrum des Programms der Kaiserreise standen Serenaden, festli-
che und bunt gemischte Musikstücke oder Theaterstücke, Volksfeste und ähnliche
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918