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384 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
In der Zwischenzeit versuchte der Banus diese Gelegenheit auszunutzen, um die ver-
bliebene Opposition – wobei diese ja gar nicht am Akt des Protestes (oder bei der
Planung, die direkt von Radić und der Studentengruppe durchgeführt worden war)
mitgemacht hatte – weiter zu unterdrücken. Auf anderer Seite sandte der Banus ‚Be-
ruhigungs-Kompagnien‘ nach Budapest, wo man die ungarische Regierung so schnell
wie möglich mit Diplomatie und Geschenken (Bánffy wurde beispielsweise zum Eh-
renbürger von Zagreb ernannt) beruhigen wollte.52
Zum Schluss sei noch auf eine weitere, reflexive Ebene der Beschäftigung mit
dieser Kaiserreise hingewiesen. Denn nicht nur in der Geschichtsschreibung wurde
noch lange nach dem Besuch von 1895 über die Ereignisse in Zagreb geschrieben
und gesprochen, sondern es lassen sich auch in verschiedenen Büchern, Zeitschriften
und Zeitungen Spuren einer Auseinandersetzung mit den Ereignissen erkennen, die
solcherart Eingang in die kroatische Gedächtniskultur gefunden haben. Heute kann
man als Kulturhistoriker im Rückblick auf verschiedene literarische Werke stoßen,
beispielsweise auf Kamen na cesti (1937) von Marija Jurić Zagorka oder auf Miros-
lav Krležas Meisterwerk Die Rückkehr des Filip Latinowicz (1932). In diesem Buch
träumt einer der Protagonisten, Silvije Liepach Kostanjevečki, von den glänzenden
Zeiten der Monarchie: Gerade den Zeitpunkt der glorreichen Kaiserreise, den Ok-
tober 1895, bewahrt er als Höhepunkt seiner Karriere auf. Bei anderen kroatischen
Schriftstellern werden auch verschiedene weitere Aspekte dieses Ereignisses unter-
sucht und auf mehr oder weniger persönlicher Ebene vertieft. Auch ein Musical mit
dem Titel Kaiser Franz Joseph I. in Zagreb wurde Ende der 1980er-Jahre in Kroatien
sehr populär.53
Fazit
Was also konstituierte 1895 in Zagreb einen zeremoniellen Raum? Die Stadtarchi-
tektur war im Zentrum der festlichen Inszenierung, was gerade angesichts der Frage,
ob Architektur generell nur die Grenzen des zeremoniellen Raums bilden könne oder
selbst Teil des zeremoniellen Raums ist, von Bedeutung ist.
Erstens, die offizielle Dekoration enthüllt mehrere Tendenzen: Sie war einerseits
ein Wegweiser durch die offiziellen Festveranstaltungen, aber sie diente gleichzeitig
auch zur Abgrenzung der Ehrenträger und aller offiziellen Teilnehmer von den Mas-
sen. Und nicht zuletzt diente sie auch zur Verschönerung der Stadt.
Zweitens, wegen der Bedeutung des Besuchs und seiner unterschiedlichen Motive
zielte man auf breitere Massen. Die Bevölkerung Zagrebs/Agrams sollte den Mo-
narchen feiern, das kroatische Volk sollte sich mit ihm verbunden fühlen und er-
kennen, dass die Politik Franz Josephs und des Banus positive Auswirkung hat. Auf
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918