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neue Digitale bereits zu ihrer inhärenten Voraussetzung geworden ist,
kann post-digital genanntwerden.Wie imBegriff der Postmoderne in
seinerphilosophischenPrägungbeiJean-FrançoisLyotard(Lyotard1996,
Lyotard 2009) das ,Post-‘ den historischen undmentalen Zustand der
permanenten Produktion derModernemeint, der nichtmehr sinnvoll
von anderenZuständen abgegrenztwerdenkann (undnicht etwaderen
Ende), so kann der Ausdruck ,post-‘ in Anlehnung daran auf den ge-
genwärtigen gesellschaftlichenZustand angewendetwerden.
DerAusdruckpost-digital ist–FlorianCramerbringtesprosaischauf
denPunkt–„a term that sucks, but is useful“ (Cramer2015, 13).Er ist,
wie alle post-Diskurse disparat, seinerseits hypend, aber zugleich auch
eine Perspektive eröffnend, da er ermöglicht, ein herrschendes Dis-
kursdispositiv auszuhebeln (Labaco 2013, Cramer 2015, Berry/Dieter
2015,Cramer 2016b,Horx 2018, Jandric´ et al. 2018).
Bereits inden2000er-JahrenwurdedasKonzept ,post-digital‘ inder
Kunstreflexion verwendet und als dieZeit bestimmt, in der derUnter-
schiedzwischenKunst,dieohnedigitaleTechnologienzustandekommt,
unddigitalerKunst entwedernichtmehr zumachen ist odernichtmehr
relevant oder uninteressant erscheint. Von dort auswurde dasKonzept
auch in andereDiskurse übertragen und verwendet, um beispielsweise
deutlichzumachen,dassDigitaltechnologienichtautomatischFortschritt
undZukunftbedeutetundDigitalitätselbstkeinAuszeichnungskriterium
mehr für irgendeine Praxis ist (Cramer 2014, Cramer 2015, Cramer
2016a).
DerAusdruck ,post-digital‘ soll hier jedenfalls nicht aufdasdasEnde
des Digitalen, sondern auf das Ende der Auffassung des Digitalen als
spezifisches kulturelles (gesellschaftliches, anthropologisches, künstleri-
sches, soziales, technologisches, politisches, pädagogisches usw.) Diffe-
renzkriterium gegenüber einer nicht-digitalenWeise des Seins deuten
und die Frage aufwerfen, was Bildung dann ausmachen könnte. Also:
Kann auch Bildung post-digital konzipiert werden, imUnterschied zu
einemModernisierungsnarrativ, das sich überDigitalisierung definiert?
2–Morgenvor40 Jahren–waswardaspostmoderneWissen?
Um solches post-digitalesWissen zu charakterisieren, kann es zunächst
vom post-modernenWissen unterschieden werden. Ein zentraler, für
den philosophischen Begriff der Postmoderne prägender Text war der
1979 von Jean-François Lyotard publizierte Bericht für denUniversi-
Robin
Schmidt58
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik