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tätsrat der Regierung von Quebec La condition post-moderne (Lyotard
2009). Der zentrale Gegenstand des Berichts war „DasWissen in den
informatisiertenGesellschaften“,wenngleichdieRezeption inderFolge
insbesondere die dort auch verhandelte Bedeutung der schwindenden
Macht der großenLegitimationserzählungen für dieWissenschaften fo-
kussierte. Die dort vorgelegte Analyse und Prognose der Entwicklung
eines vollständig informatisiertenBildungswesens ist von geradezu hell-
sichtigerTreffsicherheitundlohnteinenkurzenExkurs,umdeutlicherzu
unterscheiden, vonwo aus heuteweitergedachtwerdenkönnte.
DieEinleitung liest sich abgesehenvoneinzelnenVokabelnwie ein
heutiger Bildungsbericht: die Auswirkungen der „technologischen
Transformationen auf das Wissen“ erscheint „erheblich“. Durch die
„Computer und ihre Sprachen, die Probleme der Sprachübersetzung,
und die Suche nachVereinbarkeiten zwischen Sprachen –Automaten,
dieProblemederSpeicherungunddieDatenbanken,dieTelematikund
die Perfektionierung ,intelligenter‘ Terminals“ verändert sich die For-
schung und die Übermittlung der Erkenntnisse fundamental (Lyotard
2009, 30). Bereits 1979 war für mehr als die Hälfte der High-School
Schüler inQuebec einComputer in der Schule zugänglich undwurde
genutzt,1980solldiesdanninallenSchulenderFall sein;transatlantische,
satellitenübertragene Videokonferenzen und weltweite, zeitgleiche
Nachrichtenübermittlung zwischen denNachrichtenagenturenwurden
zur Gewohnheit (Lyotard 2009, 159). Und durch die weitere „Nor-
mierung,MiniaturisierungundKommerzialisierungderGeräte“werden
die „VerfahrendesErwerbs, derKlassifizierung, derVerfügbarmachung
undAusbeutungderErkenntnisseverändert“(Lyotard2009,30).Lyotard
diskutiert insbesondere folgendeAuswirkungen:
– Hegemonie des informatisierbarenWissens:Nur solchesWissen, das
sich in „Informationsquantitäten“ übersetzen lässt, kann künftig Teil
desDiskursessein,und„alldas,wasvomüberkommenenWissennicht
in dieserWeise übersetzbar ist, [wird] vernachlässigt“ (30f.).
– Verlust der Bildung als Selbstzweck: „Das alte Prinzip, wonach der
WissenserwerbunauflösbarmitderBildungdesGeistesund selbst der
Personverbunden ist, verfälltmehrundmehr. […] [Wissen]hört auf,
sein eigenerZweck zu sein, es verliert seinen ,Gebrauchswert’“ (31).
DieAusbildung dient fortan imWesentlichen der Leistungsfähigkeit
der Gesellschaft. Das Ausbildungssystem muss daher für das soziale
System „die diesem […] unentbehrlichen Kompetenzen ausbilden“
(119). Die Universität muss künftig neben der Berufsqualifizierung
Post-digitaleBildung 59
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik