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gelten.Nur solange sieeinSpielmitunvollständiger Informationwar,
kamdeneneinVorteilzu,dieüberdasWissenverfügenundsicheinen
Zusatz an Informationen verschaffen konnten. Aus dem Besitz von
Wissen allein erwächst demWissenden jetzt keinVorteilmehr.
– DerÄradesProfessors läutendieGrabesglocken:Wennes somitkein
wissenschaftlichesGeheimnismehr gibt, hängt derZuwachs anLeis-
tungderWissenschaftnichtmehr anderProduktiondesWissensund
dessenErwerb, sondern ist davon abhängig, dieRegeln des Spiels zu
ändern oder einen neuen Spielzug durchzuführen, kurz: erfinderisch
oder phantasiereich neue Verbindungen herzustellen. Daher wird
Interdisziplinarität und Teamarbeit aufgewertet. „Was aber sicher
scheint, ist, dass […]derÄradesProfessors dieGrabesglocken läuten:
Er ist nicht kompetenter zurÜbermittlungdes etabliertenWissens als
dieNetze der Speicher, und er ist nicht kompetenter zur Erfindung
neuer Spielzüge oder neuer Spiele als die interdisziplinären For-
schungsteams“ (129).
So werden in einer informatisierten Gesellschaft die Datenbanken zur
neuenWeltumgebung. So wie durch die industrielle Revolution die
maschinelle Stadt an die Stelle der bäuerlichen, ruralen Natur trat, so
treten an die Stelle der urbanen Lebensumgebungen für den postmo-
dernenMenschendieDatenbanken.DieDatenbanken sinddieWelt in
der er lebt und von der er lebt:Datenbanken „sind die ,Natur‘ für den
postmodernen Menschen“ (125). Den Moment, in dem der Mensch
beginnt, das nichtmehr für neu und befremdlich, sondern für gegeben
undeben,natürlich‘zuhalten,würdeichalsdenMomentdesÜbergangs
in eine post-digitaleZeit bezeichnen.
3–Post-digitaleBildung?
AusdemVorigenistnichtnurablesbar,dassdiesevorvierzigJahrenwohl
noch dystopisch erscheinenden Einschätzungen sehr treffsicher waren,
sondern auch,wie sehr die damit verbundenen Probleme heute bereits
zumAlltag gehören. Eswäre nicht schwer, denheute bestehendenBü-
chermarkt zu den Verheißungen und Kritiken der Digitalisierung der
Bildung – mit Ausnahme der hier noch fehlenden gesundheitlichen
Aspekte–aufdievonLyotarddiskutiertenPunktezurückzuführen.Doch
postmodern ist an dieserAnalyse nicht nur der Inhalt, sondern auchdie
Post-digitaleBildung 61
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik