Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Technik
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? - Einwürfe und Provokationen
Seite - 64 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 64 - in Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? - Einwürfe und Provokationen

Bild der Seite - 64 -

Bild der Seite - 64 - in Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? - Einwürfe und Provokationen

Text der Seite - 64 -

Wissenzulieben:Im14.JahrhundertwardieDisputatiodequodlibetander Universität von Paris jener Teil der wissenschaftlichen Verständigung, der der streng regulierten Disputation einer Thesis folgte. Auch das Quodlibet war reguliert, aber hier wurde Intellektualität festlich zele- briert, bunt, vielstimmig,mitwenigHierarchie, feierlich, aus Liebe zur Sache,eben:wieesbeliebt.Darausentwickelte sichdasQuodlibet inder Folge oft zur Persiflage, zurHumoreske, zumNonsens, der im kunst- vollenVerbinden von ansonsten unsinnigen und vulgären Einzelheiten bestand.Daherwurde es an derUniversitätHeidelberg 1558 verboten. (DasQuodlibetalsMusikformkaminseinereigentlichenFormerst inder Renaissance auf.) Das Beliebige wäre so nicht die öde, sinnlose post- moderne Beliebigkeit. In der Musik wie in derWissenschaft setzt es geradediegenaueKenntnisdesFachesundder strengenGesetzevoraus. Es ergibt sich danach aus einer Entspannung. Das Quodlibet als post- digitale Wissensform wäre eine Erscheinung des afterglow: es lässt in Fröhlichkeit dieDifferenz von Leitkultur und Populärem, vonEinhei- mischemund Fremdemhinter sich. AlsGegenform einer zentral orga- nisierten, in der Systematik Hegels organisierten Universität sucht es geradenachdem,was aus derVerbindung zwischenFremdementsteht. DasQuodlibet alsWissensformwäre eine kunstvolle FormderKreoli- sierung. EdouardGlissant beschreibt denVorgang derKreolisierung als kulturelle Praxis, in der ein neues und unbekanntes Drittes entstehen kann, wenn zwei Singularitäten sich begegnen und die gegenseitigen Gesten der Unterwerfung hinter sich lassen.Man braucht, um diesem Drittennahzusein,mit ihmgehenzukönnen, soGlissant, ein„Denken der Spur“, das den kolonialisierendenHerrschaftsgestus derAllgemein- heitenundNormenabwirftundsichdemKontingentenhingibt(Glissant 2013). 4. Das zusammen bedeutet, sich dem Wandel – dem Digitalen Wandel – und seinen noch unbekannten Implikationen für dasWissen unddieRolledesMenschendarin aussetzenzuwollen.Wandel imFeld desWissens, derBildungundErziehunggestalten zuwollen,kannnicht Rückkehr zu früheren Formen der Bildung, aber auch nicht dieResi- gnation vor den technologischenDispositiven bedeuten. „Wandel be- deutetwederRückkehrnochPreisgabe,nochLaisser-faire.Erbeinhaltet Unvorhergesehenes und Unvorhersehbares, übersteigt also die erkun- detenMöglichkeiten.Er setztunsdemUnmöglichenaus, stellt also jede Identifikation, jedeAnerkennung, jedeAngleichung in Frage.Das ver- langt ganz besonders danach, dieOrte derRatlosigkeit undOhnmacht selbst zu bearbeiten.“ (Nancy 2017, 14) Robin Schmidt64
zurück zum  Buch Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? - Einwürfe und Provokationen"
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? Einwürfe und Provokationen
Titel
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Untertitel
Einwürfe und Provokationen
Autoren
Marko Demantowsky
Gerhard Lauer
Robin Schmidt
Herausgeber
Bert te Wildt
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Oldenburg
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-11-067326-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
206
Schlagwörter
Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
Kategorie
Technik
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?