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Die digitale Transformation der Hochschulen sollten zuvorderst die Themen
ErziehungundBildung in denFokus nehmen.Schlimmgenug,dass sichdie
Hochschulen so viel an denkerischem Potential abnehmen lassen.
Schlimmer aber nochwiegt, dass sie ihr früheresMonopol für höhere
BildungswegeandieDigitalwirtschaft zuverlierendrohen,die längstdie
alten Hochschulen infiltrieren oder eigene neue eröffnen.Wennman
davon ausgeht, dass all das, was dieMenschheit seit Jahrhunderten an
WissenundErfahrung zuErziehungundBildunggeneriert hat,mit der
Digitalisierung nicht einfach obsolet wird, darf auch hier von einer
KernkompetenzodergarvoneinemHoheitsgebietausgegangenwerden.
Eine der vornehmlichsten Aufgaben derHochschulen ist es daher, das
Lehren, und damit auch das Bilden und Erziehen, zu lehren. Insofern
erscheint es als sinnvollundnotwendig,dieDigitalisierungzuvorderst in
diesenBereichen konsequent ins Visier zu nehmen. In diesemZusam-
menhang wird besonders für die pädagogischen Fachdisziplinen die
Notwendigkeit der Verzahnung von Forschung und Lehre besonders
evident.EsgehthierumwichtigeKernfragen,dieweit füralleFächerauf
die eine oder andereArt undWeise auch relevant sein dürften: Inwie
weit oder bis zuwelchenAlter ist Pädagogik abhängig von einermög-
lichst unmittelbaren zwischenmenschlichen Beziehungsdimension, wie
beispielsweise auch die Medizin und Psychotherapie? Welche Rolle
spielendiePräsenz,derKörperunddieSinne,beimLernenvonKindern,
Jugendlichen und Studenten?Wie unterscheiden sich analoges und di-
gitalvermitteltesLernenimErreichenvonLernzielen?KönnenmitHilfe
vonGamificationundSeriousGamesbessereLerneffekteerzieltwerden?
DieBewältigungwelcher Entwicklungsaufgaben lässt sich digitalisieren
undwelchesolltenvielleicht trotzdemweiter inderHanddesMenschen
verbleiben? Und vor allem was muss der heranwachsende Mensch
überhaupt noch lernen,welchesWissenundwelcheKompetenz,wenn
künstliche Intelligenz undRobotik beimDenken undHandeln immer
mehr assistierenundübernehmen?
In letzterKonsequenzdürfte es einederwichtigstenAufgaben–vor
allem, aber nicht allein –der pädagogischenHochschulenwerden, her-
auszuarbeiten, was wir an Kulturtechniken undWissen im Sinne von
Sicherungskopien und Backups bestenfalls noch imMenschen anlegen
sollten,was also auchdannnoch zurVerfügung stehen sollte,wenndas
Netzunddamit imZweifelsfall alledigitalenMedienausfallenoder indie
falschenHändegeraten.UmdendigitalenImpuls anderentscheidenden
Bert
teWildt110
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik