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Monika StillerThoms
DieSocialMedia-Hochschule
Kinder und Jugendliche wachsen heute in einerWelt mit komplexen
Fragestellungen auf: Die Klimakrise bedroht die Existenz vieler Lebe-
wesen auf der Erde, rechter Populismus krempelt dieWeltordnungum
unddieDigitalisierungrevolutioniertdieProzesseunsererWelterfahrung
undunseresZusammenlebens.
DieseEntwicklungenkönnenüberwältigendseinundeinGefühlder
Hilflosigkeit hervorrufen, weil man sich als passiver Teil dieser Welt
erlebt: Man reagiert statt zu agieren. Doch die aktive Teilhabe und
Gestaltung vonLebenundGesellschaft können gelingen, allerdings nur
dann, wenn sich Gelegenheiten bieten, Stärken zu entdecken und
Selbstwirksamkeit zu erfahren.
EinOrtfürdiesenLernprozesssolltedieSchulesein.Lehrerinnenund
Lehrer stehentäglichKindernundJugendlichengegenüber,dieversierte
Konsumentinnen und Konsumenten bzw. Akteurinnen und Akteure
digitaler Inhalte und Formate sind. Sie akzeptieren die gegebenen
Rahmen vonGames, Streaming und SocialMedia, indem sie kommu-
nizieren, spielen,Bilder undVideos schauenund teilen. Siewertenund
unterscheiden nicht – wie viele Erwachsene – zwischen digitaler und
analogerRealität, sondern bewegen sich geschmeidig zwischen beiden
Welten.Mit ihrenEndgeräten liegt denKindern und Jugendlichen die
Welt zu Füssen: Sie haben Zugang zu Informationen, Meinungen,
Nachrichten, Unterhaltung in vielen unterschiedlichen Formaten.
Schulemuss sich vor diesemHintergrundneudefinieren:
Lehrpersonen sind nicht länger die Hüter oder Hüterinnen des
Wissens, das sie in frontalenUnterrichtssituationen an ihre Schützlinge
übergeben–die traditionellenHierarchien imUnterrichtszimmer lösen
sich auf.Denn jede Schülerin und jeder Schüler ist heute bereits in der
Lage, innerhalb von 30 Sekunden herauszufinden, ob Wilhelm Tell
tatsächlichexistiert hatoderwannderErsteWeltkrieg ausbrach,wieein
VulkanausbruchabläuftoderwelchesdieHarmonienineinembeliebigen
Musikstück sind.Doch dieses google-bare, lexikalischeWissen können
Kinder und Jugendliche nur nutzen, wenn sie es in einen inhaltlichen
Kontext stellen undQuerverbindungen verstehen können. Hier kann
undmuss die Lehrperson ansetzen und helfen, das zur Verfügung ste-
hendeWissen zu vernetzen, zu verstehen, zu verarbeiten.
Open Access. © 2020 Monika Stiller Thoms, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk
ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110673265-012
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik