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Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? - Einwürfe und Provokationen
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„Wieso stellen denn nicht die Top-5-Lehrenden ihres Fachgebiets ihre erstklassigenVorlesungen landesweit zurVerfügung – und alle lernen von ihnen?Oder noch besser: Sie produzieren extra entwickelteOnline-Vor- lesungen,die sichdann fürdiegroßeHörerschaft lohnen. […]Ichstellemir das sovor:Als Studentmelde ichmichbei einer beliebigenUniversität an, ohnemich auf einen Studiengang festzulegen.Mit meinen Zugangsdaten logge ich mich auf einer zentralen Plattform ein, wo mir das gesamte Lehrangebot aller Universitäten zur Verfügung steht. Kenne ich bereits meine Interessen, stelle ich zielgerichtet meine Veranstaltungen selbst zu- sammen. Falls nicht, gibt es beispielhafte Playlists (was Ihr ehemals Studi- engänge nanntet) oder Vorschläge vom System: „Basierend auf deinem bisherigenVerlauf könntendichfolgendeVeranstaltungen interessieren…“ Dabei behalte ich vollkommene Freiheit über dieGestaltungmeines Stu- diums. Jeder Studierende kann sich individuell an den eigenen Lernbe- dürfnissenundZielsetzungenorientieren.“ (Riederle 2019) RiederleorientiertsichhieranähnlichenVorstellungen,diehinterGoogle BooksoderOpenAccess stehen:BestehendeLehrformenwerdendigital verfügbar gemacht und in eine einheitliche Formgebracht. Die Argumentation dieses Essays lässt nun zwei unterschiedliche Schlüsse inBezugaufdieseForderungzu:DieseVisioneinerUniversität für einedigitalisierteGesellschaftwird erstens scheitern,weil Lehr- und Lernformen jenseits vonYoutube-Vorlesungen entstehen. Bereits heute sind Playlists vonwissenschaftlichenVorträgen keineNetz-Inhalte, auf die intensiv zugegriffenwird: Die Playlist mit allen Vorträgen von der Tagung„Was istDigitalität?“ anderLMUinMünchenvomJuni 2019 enthält zwei Monate nach der Tagung beispielsweise kein Video, das mehr als 500 Views aufweist. Zweitens lassen sich aus der Geschichte digitalerMedienundsozialer InteraktionkeinePrognosenableiten.Wer eineGeschichteerzählenwill, inderausOnline-VideosdieHochschulen derZukunft entstehen,wird dafür in derMediengeschichte vieleHin- weise finden.Werzeigenwill, dass dasnichtklappenkann,kannaufdie AnalogiezuGoogleBooksverweisen.DieseArgumentation führt aber ins Leere, da alle vergangenenEntwicklungen aus heutiger Sicht zwingend so verlaufenmussten, als zukünftige hingegenkontingent sind. Interpretiert man dieGeschichte vonGoogle Books imKontext der Entwicklung der Hochschulen, so lassen sich folgende Vermutungen daraus ableiten: Visionen sindweniger stark als Systeme. DieVorstellungeineroffenenHochschule,dieLernendemokratisiert und ohneZulassungen und formelle Abschlüsse Bildung für breite Be- Waswir vonGoogleBooks über dieZukunft derHochschulen lernenkönnen159
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Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? Einwürfe und Provokationen
Titel
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Untertitel
Einwürfe und Provokationen
Autoren
Marko Demantowsky
Gerhard Lauer
Robin Schmidt
Herausgeber
Bert te Wildt
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Oldenburg
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-11-067326-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
206
Schlagwörter
Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
Kategorie
Technik
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