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nentiellerBeschleunigung (King2016,19f.), ‘Industrie4.0’ istnichtnur
ein Schlagwort, sondern eine Sammelbezeichnung für die Wirksam-
werdung der Digitalisierung auf neuer Ebene, eine zweite digital ge-
triebene industrielle Revolution (Deutsches Bundesministerium für
BildungundForschung2013).DiesichbeschleunigendeTransformation
erweitert diemögliche Veränderungswahrnehmung zusehends ins To-
tale.
MarcPrensky(2001)hatschonsehrfrühdieseUnterscheidungderim
Analogozän Sozialisierten von den später geborenenmit der Differenz
von ‘DigitalNatives’ und ‘Digital Immigrants’ zu fassen versucht, dabei
aber bei den Natives gegenüber den Immigrants gleichsam natürliche
Vorteile zu erkennengeglaubt. PrenskysUnterscheidung ist inzwischen
vielfach und plausibel relativiert worden.Man kann dieses Begriffspaar
auchwertfreinutzen,ohnedieVorannahmenhöhererdigitalerLiterarität
unter denNatives. Ich kenne keine kürzere und prägnantere Bezeich-
nung, deshalbmöchte ichdies gern, dieKritik anPrensky aufnehmend,
ohneweitereVorannahmen tun.DenEinwand, dass hinter dieserDif-
ferenzierung unterschiedliche ökonomische, soziale, kulturelle Zu-
gangschancenzurdigitalenTransformationverborgenbleiben, ist richtig.
Es berührt abernicht diehier vorliegendeDiskussion (Wampfler 2014).
Für die überwältigendeMehrheit der Absolvierenden von univer-
sitären Studienprogrammenwird diese kurzeZukunft derDozierenden
ausgesprochen lange dauern.Darin liegt einGrund,warumHochschu-
len, ihreArbeits-undUnterrichtsmethodenundihreBildungsinhalte (ob
Gegenstands- oderHandlungswissen) offenkundig als inRichtung bes-
tenfalls ihrer Gegenwart, eigentlich aber in Richtung einer schon ge-
staffeltenVergangenheit vonZwecken undNormenorientiert erschei-
nen.
Unbefristete Dozierende bleiben lange im Amt, schöpfen nolens
volens selbst aus einer persönlich erfahrenen akademischen Praxis, die
vergleichsweise weit zurückreicht und sehr stark von beruflichen All-
tagsroutinen undTraditionen bestimmt ist, tief verwurzelt im analogen
Zeitalter, das gilt vor allem für die Kultur- undGeisteswissenschaften.
Die disziplinäre Studien-Grundlagenliteratur wurde zwar längst
immerhinE-Learningund-plattformkompatibel gescannt. InderRegel
handelt es sich dabei aber lediglich umScan-Reproduktionenmit dem
einzigenMehrwertder leichterenVerfügbarkeit.DieArbeitsweiseinden
SeminarenundVorlesungenveränderte sichdadurchnurunbeträchtlich.
Universitäre Lehrmittel, v.a. lehrveranstaltungsorientierteHandbü-
cherundbesonders die erfolgreichenLongseller, verfasstwiederumvon
MarkoDemantowsky180
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik