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arriviertenDozierendenmit langer akademischer Institutionenprägung,
werden von den Verlagen aus guten betriebswirtschaftlichen Gründen
noch immervorwiegendalsPrintprodukteangeboten.Auch inUmgang
mit diesen Eckpfeilern universitärer Lehrpraxismanifestiert sich die di-
gitale Transformation lediglich als ein Verlust an Körperlichkeit und
Gegenständlichkeit des Wissens. Die Lehrmittel erscheinen heutigen
Studierenden imKern ingleicherFormwievor25 Jahren, sie sindeben
nur verbreitungseffektiv gescannt und in Universitätsclouds abrufbar
abgelegt. DerWissenshorizont dieser Lehrmittel ist allerdings ebenfalls
notwendigaufdieGegenwart, inderRegelaberandenHorizonteneiner
gestaffeltenVergangenheit ausgerichtet.Das alles atmetundmanifestiert
den akademischen status quo ante.
Das ist ein strukturelles ProblemvonBildungseinrichtungen, es tritt
nur in einer Gegenwart der umfassenden digitalen Transformation be-
sonders deutlichvorAugen.Hochschulen lehrennicht für dieZukunft,
sondernfürdievergangeneGegenwartvonMenschenwiediedesAutors
undvermutlichdermeistenderLeserinnenundLeser diesesTextes, die
wir dasMeiste unsererBiographienbereits gesehenhaben.
DieWeltunsererGegenwart ändert sich rasant.Mandarf vermuten,
dass an dieser Stelle der Einwand inzwischenmit Nachdruck erhoben
wird:Was ist daranwirklich neu?
NatürlichgabesauchzuanderenZeitenrasanteVeränderungen.Vor
allemdas 20. Jahrhundert hat durch seinepolitischenund ideologischen
Krämpfe, seine Kriege, Massenmigrationen, seinen Massenterror, die
willkürlicheVerschiebungvonGrenzenusw.zu sovielen schnellenund
umwälzendenVeränderungen in fast der ganzenWelt geführt, dass sich
nach dem Ende des Kalten Krieges wahrscheinlich alle Menschen ein
kommendesZeitalter desFriedens, der Stabilität, der Sicherheit undder
kulturellen Kontinuität imWohlstand und der individuellen Freiheit
wünschten. Sounterschiedlichdie Situationen inunserenLändern auch
gewesen sein mögen, dieserWunsch hat wahrscheinlich die überwie-
gende Mehrheit der damaligen Menschen bewegt, und wie oft und
einschneidend wurde diese Hoffnung seitdem enttäuscht. Kann etwas
nichteinfachsobleiben,wiees ist,wennesgutoderzumindesterträglich
ist?Das ist eine Frage, die viele zu bewegen scheint, jedenfallswäre das
einemöglicheErklärung fürdasErstarken identitärer undpopulistischer
politischerBewegungen.
Vielleicht istesdieserKontext,dieeffektive langeErfahrungderzwei
oder drei aktiven Generationen, die es für Schulen undUniversitäten
besonders schwierig macht, schnelle und adäquate Lösungen für eine
Quoante 181
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik