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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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158 | Dinge – Nutzer – Netze Authentizität ist also weniger in den Dingen selbst verortet als im Museumsraum, der sie umfängt, oder genauer: Der Museumsraum ist die Voraussetzung für das Als- authentisch-Erleben der Exponate, und die Authentizität selbst wiederum entsteht − im Gegensatz zum konkreten, von der Ausstellung vermittelten Wissen − weder in- duktiv noch deduktiv, sondern in allererster Linie abduktiv. Im Museum nämlich stellt sich die Frage, ob etwas authentisch ist, idealerweise gar nicht erst. Authentizi- tät im Sinne einer äußeren Beglaubigung darf schlicht vorausgesetzt werden, weil ja die Musealisierung selbst jener Prozess ist, in welchem materielle Gegenstände als mediale Träger kulturell bedeutsamer Inhalte institutionell beglaubigt werden. Indem Museen Dinge aus einer Alltagswelt entführen, in welcher durch ihre Physiognomie hindurch direkt auf ihre rohe Funktionalität geblickt wird, weist es diese zugleich als Signifikanten in einem kommunikativen System aus. Für den Museumsbesucher heißt dies, dass er bei Betreten eines Ausstellungsraumes gar nicht mehr darüber sin- nieren muss, ob sich in seiner Umwelt Spuren womöglich an ihn gerichteter Mittei- lungen befinden könnten. Vielmehr versteht sich in der musealen Situation die Be- deutsamkeit der Dinge von selbst. Gerade deshalb ist es womöglich so schwierig, Museen als ›Foren‹ und hierarchisch flache Diskursarenen anzulegen: Ihre grund- sätzlichste Funktion ‒ nämlich jene, materielle Dinge als Träger historischer Bedeut- samkeit zu sammeln und auszustellen ‒ können Museen nur dann ausüben, wenn die von ihrem Vermittlungsauftrag anvisierte Öffentlichkeit ihnen die Autorität zuge- steht, diese Bedeutsamkeit ohne vorgeschaltete Diskussion mit dem Publikum erst einmal zu setzen. Duncan Camerons Metapher vom Museum als ›Tempel‹ wird hier überaus sinnfällig: Auch Gotteshäuser können eben keine Grundsatzdiskussion dar- über zulassen, ob das vermeintlich höhere Wesen, zu dessen Ehren sie erbaut wurden, tatsächlich wirklich und heilig ist. Museen und Kirchen leisten gleichermaßen jene Realisierung eines »Regierungshandeln[s] ohne jegliche Begründung im Sein«, wel- che Giorgio Agamben als das definitorische Kriterium eines Dispositivs ausmacht (Agamben 2008: 23). 3.3.2 Raum als Metapher und Programm Nun sind digital-virtuelle Medientechnologien, wie bereits dargestellt wurde, zwar durchaus Techniken der ›Realisierung‹ bzw. der Aktualisierung von Objekten aus dem augenscheinlichen ›Nichts‹, aber das sich mit ihnen verbindende kommunikativ- kulturelle Paradigma steht unter ganz anderen Vorzeichen als jenen institutioneller Autorität und räumlicher Abgeschlossenheit. 2002 veranstaltete die Nobel-Stiftung in Stockholm ein Symposium über Virtual Museums and Public Understanding of Science and Culture, in dessen Rahmen David Filkin das zentrale Problem bei digi- talen Museumsprojekten in einer für den etablierten Museumsbetrieb schwer verdau- lichen Machtverschiebung hin zu den Rezipienten verortete. »They have all the
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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