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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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›Virtuelle Museen‹: Medienwechsel und Kontinuität | 161 ist Filkins Netzbewohner gewissermaßen ein ›Wilder‹, der in den noch hierarchie- freien Ebenen des Webs umhernomadiert und dem die ›frohe Botschaft‹ ordnender Expertensysteme erst noch verkündet werden muss. Der Memex-Nutzer, wie Vanne- var Bush ihn 1945 in Aussicht stellte, erscheint hingegen als entdeckender Pionier, der sich Schneisen durch einen dichten Dschungel der Information schlägt: Die Pfade des Wissens, welche durch Memex erschließbar werden sollen, sind nicht präexis- tent, sondern müssen manuell geschaffen werden. Zwei Texte verschalten zu können, erfordert zunächst einmal, sie beide gelesen zu haben. Während die nautische Meta- pher von der Navigation, wie sie sich vor allem mit digitalen Hypertexten verbindet, eine Offenheit des Wissens-›Raumes‹ nach allen Richtungen impliziert, unter denen nur die richtige ausgewählt werden muss, deutet sich in den ›trails of interest‹ Bushs eben eine Epistemologie des Pfadfindens und damit eine widerständige Dichte des Wissens an. Man treibt nicht auf einem Meer der Einsichten, sondern muss erst das Gestrüpp unnützer Nebensachen niederstampfen, um an relevante Information zu ge- langen. Raummetaphern sind nicht bloß neutrale Beschreibungen von Organisations- strukturen in digitalen Datenanhäufungen, sie sind immer auch normative Aussagen darüber, wie solche Datenanhäufungen organisiert sein sollten, bzw. welche Veror- tung des Rezipienten im Verhältnis zum Medium als wünschenswert erachtet wird. Wie Architektur und Ausstellungsaufbau im Museum, so bilden Ab- und Aufrufmo- dalitäten im Netz immer auch didaktische Entscheidungen ab. 3.3.3 Cyberspace(s) Auf diese Tatsache verweist schon der Umstand, dass der ›Cyberspace‹ als wohl meistgebrauchte räumliche Metapher für das digitale Kommunikationsmilieu eben nicht Offenheit und Freiheit akzentuiert, sondern die Möglichkeit der Steuerung und Lenkung. Kybernos leiht seinen Namen der Wissenschaft der Kybernetik nicht aus seiner Eigenschaft als ein auf dem Meer Treibender heraus, sondern aus jener als Führer seines Schiffes. Das griechische Verb κυβερναω und seine lateinische Ent- sprechung guberno meinen gleichermaßen das ›Steuern‹ im nautischen Sinne, also »das Steuerruder führen« (Pertsch 2008: 276), ferner aber auch das ›Leiten‹ im All- gemeinen und in bestimmten Kontexten auch das ›Regieren‹ (vgl. ebd.). Das Sub- stantiv gubernaculum wiederum meint ursprünglich das Schiffsruder, aber eben auch die ›Leitung‹ oder ›Regierung‹ als soziale Einrichtung − und der gubernator ist eben nicht nur der Steuermann, sondern auch der ›Leiter‹ und ›Lenker‹ im nicht-maritimen Sinne (vgl. ebd.). Der Begriff des ›Cyber‹-Raumes impliziert also zunächst weniger navigatorische Offenheit als zielführende Steuerung − ohne allerdings Steuernde und Gesteuerte zu benennen. So uneindeutig der Begriff schon im Wortsinne ist, als so wenig hilfreich erweist sich auch der Blick in seine Geschichte, denn ›Cyberspace‹ ist zu keiner Zeit
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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