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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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170 | Dinge – Nutzer – Netze eine ›verräumlichte Visualisierung‹ von Information, die sich innerhalb eines techni- schen Kommunikationsapparates in Bewegung befindet. Genauso, wie ein leeres Ge- bäude zwar den Raum eines Geschehens vorgibt, aus sich heraus aber noch kein Mu- seum, Supermarkt oder Finanzamt ist, muss auch ein Cyberspace erst durch einen bestimmten Umgang mit der vom Medium geschaffenen ›Raum‹-Situation zu einem solchen gemacht werden. Ähnlich wie Brigitte Scheers Konzeption vom physischen Raum entsteht auch Novaks Cyberspace aus einer Unterscheidung zwischen Raum und Objekt, bzw. aus der Tatsache, dass der Rezipient einen Unterschied wahrnimmt zwischen funktional abschließbaren Attributobjekten und einem medialen Milieu, das sie umgibt. Um diese Unterscheidung plausibel zu machen, greift Novak bezeichnenderweise auf ge- nau jenes Areal menschlicher Tätigkeit zurück, das auch Scheer umtreibt: nämlich die Modulation des Raumes durch gestalterische Arbeit. Er identifiziert dabei zwei Techniken der Raum-Formung durch den Menschen, die seines Erachtens eine an- dauernde Konstante in der Kulturgeschichte bilden. Auf der einen Seite steht die Skulptur als positive Form des Umgangs mit dem Raum, die einem bestimmten Raumabschnitt Gestalt und Sichtbarkeit verleiht, ihn gleichzeitig für den Betrachter aber unokkupierbar macht. Ihr gegenüber verortet er die Architektur, die einen leeren Raum umfasst, begrenzt und damit Räume als solche erlebbar werden lässt (vgl. ebd.: 243). Raum ist also dort, wo wir uns frei bewegen können, Ding dort, wo wir Wider- stand verspüren. Im Umgang mit den virtuellen Quasi-Räumen digitaler Medien ha- ben für Novak Interfaces Skulpturcharakter, weil sie dem Nutzer als eine Oberfläche gegenübertreten, mit der zwar interagiert werden kann, die aber nicht zu penetrieren ist. Der navigierbare ›Cyberspace‹, wie er sich z.B. in Form eines Hypertext-Systems manifestieren kann, entspricht für ihn hingegen einer architektonischen Konstellation (vgl. ebd.: 243). Bei der Bewegung ›im‹ Cyberspace agieren wir demnach immer nur mit Objek- ten, die vom Interface unseres Decks aktualisiert werden, während der ›Raum‹ hinter den Dingen höchstens erahnt werden kann. Dies widerspricht augenscheinlich der von Novak ausgegebenen Zielsetzung des Cyberspace, die Subjekt-Objekt-Trennung zwischen Rezipient, Medium und Inhalt aufzuheben. Die Auflösung dieses Wider- spruchs erfolgt durch ein funktionales Element innerhalb des Cyberspace, welches Novak als den »Navigator« (ebd.: 231) bezeichnet. Der Navigator ist in Novaks Dik- tion vielleicht am ehesten als ein Stellvertreter des Nutzers zu verstehen − ein über das Interface ferngesteuerter virtueller ›Roboter‹, der sich innerhalb der räumlichen Dimensionen des Cyberspace bewegt und durch dessen Augen der Anwender ihn er- ›fahren‹ kann. Dabei ist die Bezeichnung ›Navigator‹ hier irreführend, wenn man sie allzu wörtlich nimmt. Der Navigator eines Schiffes hat selbst die Macht der Lenkung inne. Er führt also selbst das Ruder, während der Navigator nach Novak von außen gesteuert wird. Zugleich ist der Navigator der physischen Seefahrt in seiner Len-
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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