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›Virtuelle Museen‹: Medienwechsel und Kontinuität | 171
kungsmacht auf sein Schiff beschränkt. Er kann die Oberfläche des Meeres navigie-
ren und sich nach dem Stand der Sterne orientieren, aber weder der Ozean noch das
Firmament folgen seinen Anweisungen oder haben das geringste Interesse daran, ihm
seine Arbeit zu erleichtern. Der virtuelle Navigator soll sich dagegen nach Novaks
Vorstellung nicht nur im Cyberspace bewegen, sondern auch mit ihm interagieren
und ihn auf eine Art gestalten, die es dem Nutzer erleichtert, an jene Information zu
gelangen, die ihn interessiert:
My point in space is given by my navigator. Its forms can vary but the idea remains the same:
I control a point in an n-dimensional space, say a cube. I assign meaning to each of the axes,
and to any rotational parameters, material parameters, shape parameters, color and transparency
parameters, and so on, that describe the »reality« of my icon. By moving my icon in this abstract
space I alter the cyberspace I occupy. My navigator follows me at all times, and my position
within it is fixed while I move within the cyberspace I have defined. Should I decide to search
through a slightly different »reality« all I need to do is reach out for my navigator and alter a
parameter. Otherwise, for more drastic navigation, I can alter a dimension, or even the number
of dimensions. Finally, I may choose an entirely different coordinate system. In every case my
deck is responsible for synthesizing the requested information in a new cyberspace. (Ebd.: 231)
Der Cyberspace ist in seiner Struktur und Erscheinung das Produkt des Wirkens vir-
tueller Stellvertreter, über welche seine menschlichen Nutzer sich zu ihm verhalten.
Er ist damit faktum und nicht etwa datum − wie die digitalen (Attribut-)Objekte, die
ihn bewohnen, muss er laufend aktualisiert werden, um sein Vorhandensein behaup-
ten zu können. Medialität und Inhalt bilden als Raum und Ding zwar kategorisch
verschiedene Bezugsgrößen innerhalb des kommunikativen Systems, beide existie-
ren aber in Abhängigkeit voneinander und entstehen aus der Ordnung einer virtuellen
informationellen ›Rohmasse‹ durch ein Interface-System, das Zentrum und Periphe-
rie erst unterscheidbar macht. Dieser Vorgang lässt es im Grunde notwendig werden,
von multiplen ›Cyberspaces‹ statt einem gemeinsamen ›Cyberspace‹ zu sprechen, in
welchem sich alle Nutzer gleichzeitig und gemeinsam bewegen. Denn weil seine Ak-
tualisierung (bzw. im Novak᾿schen Duktus seine ›Synthetisierung‹) auf der Ebene
des einzelnen Decks stattfindet, können unterschiedliche Nutzer zum gleichen Zeit-
punkt sehr verschiedene Erscheinungsbilder des Cyberspace erleben, ohne dass seine
›Substanz‹ davon betroffen wäre. ›Cyberspace‹ als Terminus beschreibt hier weniger
einen absoluten Raum, in dem alle Kommunikation in Computernetzwerken stattfin-
det, als vielmehr eine Pluralität kommunikativer Situationen, die auf Basis einer ge-
meinsamen technischen Grundlage möglich und von ihren Teilnehmern − die ihrer-
seits selbst in Informationsentitäten in Form von ›Navigatoren‹ transformiert sind −
in ihrer Beschaffenheit laufend neu ausgehandelt werden. Dinge und Räume des Wis-
sens werden dabei erst durch den Akt der Kommunikation selbst voneinander ge-
schieden und mit Identitäten versehen, die zwar aus der jeweiligen Konstellation von
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien