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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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184 | Dinge – Nutzer – Netze person sein muss (man denke nur an die Wikipedia, die ja die kollaborative Errun- genschaft zigtausender Mitwirkender darstellt). Mit Rückblick auf die in diesem Ka- pitel zu kuratorischer Arbeit getroffenen Aussagen müssen wir uns sogar fragen, ob nicht die Verständlichkeit eines Hypertextes ebenso wie jene einer Museumsausstel- lung gerade darauf basiert, dass eine ausgewiesene Autorschaft uns die grundsätzli- che Sinnhaftigkeit der präsentierten Inhalte garantiert und damit die Abduktion vor- wegnimmt. Hypertexte im WWW kennen zwar keine so klare Trennung von ihrer ›Umwelt‹, wie sie sich in den Mauern eines Museumsgebäudes manifestiert, jedoch weisen auch sie topologische Verdichtungen und Ausdünnungen auf, die auf Zusam- mengehörigkeiten und Verschiedenheiten schließen lassen. Beim Surfen auf Wikipe- dia erleben wir uns ganz unzweifelhaft als Leser der Wikipedia und keiner anderen Webseite, auch wenn zwischen der freien Enzyklopädie und dem Rest des Webs keine Mauern oder Gräben gezogen sind. Ein Dienst wie Youtube ist recht klar von anderen Webseiten zu unterscheiden ‒ selbst von solchen, die tatsächlich ganz ähn- liche Funktionalitäten anbieten. Die Mechanismen dieser hohen Identifizierbarkeit diskreter Einheiten im Web wurden bereits genannt: Ein Wikipedia-Artikel oder ein Youtube-Video sind im Sinne Yuk Huis und Marcos Novaks digitale bzw. Attribut- Objekte, deren innere Zusammengehörigkeit und äußere Geschiedenheit vom Rest der Welt ein Produkt der Rezeption sind − nur findet die Rezeption von Web-Inhalten niemals im luftleeren Raum statt. Während Vannevar Bushs Memex-Nutzer noch ein wahrer Info-Pionier war und in der Maschine lediglich das Werkzeug zur Erschlie- ßung von Texten vorfand, deren wechselseitige Bezüglichkeiten er selbst ausarbeiten musste, tritt uns das Web bereits vernetzt und strukturiert gegenüber. Die Frage nach dem virtuellen Museum kann daher nicht nur als eine theoretische nach den grundsätzlichen Potentialen und Implikationen digitaler Medientechnik ge- stellt werden, wie sie in diesem Kapitel stattgefunden hat − obschon eine solche un- umgänglich ist, um sich der Entstehung von Dinghaftigkeit und Räumlichkeit und dem Verhältnis zwischen der Funktionalität und der Metaphorik des Mediums anzu- nähern. Es gilt nunmehr, hier anzuknüpfen und das virtuelle Museum unter den kon- kreten und tatsächlichen technischen Voraussetzungen des World Wide Web ins Zentrum der Betrachtung zu stellen.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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