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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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192 | Dinge – Nutzer – Netze Nun tut der Computer natürlich grundsätzlich nichts anderes als das, was auch ein Mensch tut, wenn er Texte erzeugt: Er reiht einzelne Zeichen hintereinander. Da- bei ist er zwar sehr viel schneller als ein menschlicher Schreiber, in ihrer äußeren Beschaffenheit aber ist die Tätigkeit dieselbe. Der qualitative Unterschied von menschlicher und digital-maschineller Textproduktion liegt vielmehr in den Sinnsys- temen, die hinter dem Umgang mit dem Code stehen. Denn während ein menschli- cher Schreiber den unermesslichen Raum der möglichen Texte innerhalb eines Ge- füges kultureller Bezüglichkeiten navigiert und Texte erzeugt, die eben verständlich und anschlussfähig (oder kurz: für andere Menschen lesbar) sein sollen, arbeitet sich der Rechner an mathematischen Verhältnismäßigkeiten und logischen Zusammen- hängen ab, die zunächst einmal keine äußere Referenz besitzen oder benötigen − der computer layer gleicht tatsächlich in gewisser Weise Borels tippenden Schimpansen. Damit einher geht jene zweite, im Laufe dieser Studie bereits mehrfach diskutierte Eigenart digitaler Medien, dass dieselben Daten vom selben Computer auf ganz un- terschiedliche Weisen verarbeitet werden können, dass eben alles in alles übersetzbar ist, solange es sich in Algorithmen ausdrücken lässt. Zwischen den Bänden der abso- luten Bibliothek und den Bildern eines absoluten Museums gibt es also in digitalen Medien keine kategorische Verschiedenheit. Jedes Bild ist Text, und jeder Text po- tenziell Bild (oder auch Klang oder Video). 4.1.1 Die Suche als Ohnmachtserfahrung Im Jahre 1995, also kurz vor Beginn der Internet-Revolution in Privathaushalten, er- schien im britischen Science-Fiction-Magazin Interzone unter dem vielsagenden Ti- tel The Net of Babel eine Kurzgeschichte des Schriftstellers David Langford, die sich ganz offen als Fortsetzung zu Borges᾿ über ein halbes Jahrhundert zuvor entstande- nen Erzählung über die papierne Universalbibliothek versteht. Die Prämisse von Langfords Text ist dabei, dass die Bibliothek von Babel ihre Digitalisierung erfahren hat. Uns wird nicht mitgeteilt, wie genau diese abgelaufen ist, ob also tatsächlich alle Bände erfasst und digital dupliziert wurden, oder ob womöglich einfach − eben im computerisierten Affensystem − noch eine zweite, bereits originär digitale Bibliothek erzeugt wurde. Zu Beginn von Langfords Narrativ befinden sich alle Bände aus Bor- ges᾿ ›Universum‹ auf Microchips, die entlang der Wände eines einzigen Sechsecks aufgereiht sind. Der Erzähler, abermals ein Bibliothekar, berichtet: The Library is both exhaustive and exhausting. But now it has been transfigured. Observe: in place of the old days᾿ interminable weary lattice of hexagonal chambers, I and my colleagues inhabit a single, vast, crimson-walled hexagon. Instead of the long bookshelves there are desks arrayed against each wall, and on each desk that many-keyed device which places all the Li- brary᾿s volumes under my hand. (Langford 1995/1997: 451f.)
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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