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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Seite - 197 -
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Das Museum von Babel? | 197 topographisch vermessen, wie ›weit‹ einzelne Wissensgegenstände voneinander ent- fernt sind. Man könnte den Hypertext einfach als eine Landkarte oder ein Itinerar der Verlinkung darstellen. Allerdings ließe sich dabei natürlich keiner Verbindungslinie eine klare Länge zuweisen, weil zwischen zwei Webseiten jeweils nur erhoben werden könnte, ob diese verbunden oder unverbunden sind, bzw. wie viele assoziative ›Schritte‹ unter- nommen werden müssen, um von Seite A zu Seite B zu gelangen. So ließen sich z.B. Aussagen treffen wie: ›Die kürzeste Verbindung zwischen Leonardo DaVinci und Jackson Pollock führt über sieben individuelle Links‹, oder: ›Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Norman Rockwells The Problem We All Live With und Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer‹. Eine solche Topologie würde also die spezifische connectedness dieses bestimmten Hypertextes beschrei- ben und damit letztlich nur auf die kunstpädagogischen Prämissen und Intentionen schließen lassen, welche die Kuratoren bzw. Webdesigner zugrunde gelegt haben. Über die Interessenlagen der virtuellen ‚Besucher‛, oder gar die weiteren kulturellen Zusammenhänge, aus welchen diese hervorgehen, verrät eine solche Analyse wenig, weil sie die Perspektive der Karte, nicht die der Strecke einnimmt. 4.2.1 Soziometrie und Science Citation Index: Vorspiel zur Suchmaschine Will man ein Netzwerk erfolgreich navigieren, so genügt es nicht, zu wissen, wo sich Querverbindungen befinden − wichtig ist darüber hinaus auch, zu wissen, wie diese beschaffen sind. Dies führt uns zurück zur bereits erwähnten Soziometrie Jakob L. Morenos. Morenos Versuch, soziale Beziehung kartier- und quantifizierbar zu ma- chen, führte relativ schnell zu der Erkenntnis, dass die Netzwerkstruktur sozialer Gruppen zumeist keine gleichmäßige Verteilung von Personen und Beziehungen ist. Vielmehr finden sich in jedem Soziogramm Punkte (und damit Personen), um die herum sich die Beziehungsvektoren in besonderem Maße verdichten, die also ein be- sonderes soziales Kapital auf sich vereinen und die Moreno − in Anspielung sowohl auf ihre offensichtliche Popularität als auch auf das Aussehen der so vernetzten Punkte in der graphischen Darstellung − als stars bezeichnete (vgl. Mayer 2010: 68ff.). In den 1940er Jahren wandte sich die Soziometrie von der unübersichtlichen und potenziell verwirrenden Abbildungsform des Soziogramms zunehmend ab und ersetzte es durch Matrizen, welche den Vernetzungskoeffizienten einzelner Personen als diskreten numerischen Wert ausdrückten. Dabei entschied nicht nur die individu- elle Vernetzung der betreffenden Person über ihren sozialen ›Wert‹, sondern auch die all jener Gruppenmitglieder, mit denen sie direkt oder indirekt verbunden war. Der Status eines Menschen in einem sozialen Gefüge ergibt sich demnach nicht nur aus
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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