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204 | Dinge – Nutzer – Netze
Nutzer ›tracken‹, der sich auf vom Analytics-System indexierten Seiten bewegt.4 Im
Jahre 2010 waren dies nach Angaben der Amazon.com-Tochter Alexa Internet im-
merhin allein die Hälfte der 1.000.000 meistbesuchten Seiten im WWW.5 Die Iden-
tifikation der User kann auf verschiedenem Wege erfolgen, so z.B. anhand der IP-
Adresse oder durch ›Cookies‹, welche Google Analytics auf den Rechnern der End-
nutzer ablegt. Theoretisch kann ein bestimmter Computer sogar anhand der Brow-
sereinstellungen erkannt werden. Im Idealfall besitzt der Nutzer auch noch einen mit
seinen persönlichen Daten versehenen Googlemail-Account. Sein komplettes Surf-
verhalten, alle seine Suchanfragen und alle von ihm auf Google Search angeklickten
Treffer sind dann zentral an einer Stelle gespeichert und mit seiner individuellen Per-
son identifizierbar6 ‒ was es Google wiederum ermöglicht, noch genauer personali-
sierte Navigationshilfen im Web bereitzustellen und zukünftige Entscheidungen für
und gegen das Anklicken bestimmter Links noch akkurater zu antizipieren.
In seinem Text über das virtuelle Museum als neue kulturelle Ausdrucksform
identifizierte Werner Schweibenz schon 2001 ‒ als der Siegeszug von Google gerade
erst Fahrt aufnahm ‒ als eine entscheidende und für jede Form von Kulturvermittlung
in Netz prägende Eigenart digital-virtueller Massenmedien ein ihnen ganz eigenes
Zusammenspiel von broadcasting und narrowcasting: Sie verteilen große Mengen
von Information an große Massen von Menschen, sind aber gleichzeitig imstande,
der Einzelperson ein sehr stark auf sie zugeschnittenes und personalisiertes Angebot
aus ihrem Datenfundus zu machen (vgl. Schweibenz 2001: 12). Google ist für diese
Tendenz innerhalb der digitalen Medienkultur und -wirtschaft nur das größte und
sinnfälligste Beispiel. Nahezu alle noch existierenden Suchmaschinen arbeiten heute
mit Rankingverfahren, und ihnen allen ist gemein, dass deren grundsätzliche Funkti-
onsprinzipien zwar bekannt, die konkret zum Einsatz kommenden Algorithmen aber
Betriebsgeheimnisse sind. Neben Google Analytics sind inzwischen noch hunderte
weiterer Tracking-Dienste im Netz unterwegs, die häufig Daten für sehr spezielle und
begrenzte Brancheninteressen sammeln. Und nicht nur die abstrakten Daten werden
von dieser Kybernetisierung ergriffen, sondern auch konkrete Dinge. Jeder Nutzer
von Amazon kennt jenen Startbildschirm, der ihn auf Produkte aufmerksam macht,
4 Angemerkt sei, dass der Endnutzer sich dem Tracking durchaus verweigern kann, indem
er entweder ein entsprechendes Plugin in seinem Browser installiert (Google bietet ein ei-
genes an, es stehen aber auch diverse von Drittanbietern zur Verfügung) oder das Javascript
insgesamt ausschaltet.
5 Vgl. http://s3.amazonaws.com/alexa-static/top-1m.csv.zip vom 15.05.2018.
6 Google bietet zwar ein Löschen dieser Daten an, dies jedoch bezieht sich nur auf das für
den Benutzer sichtbare ›Logbuch‹ seiner Google History ‒ Google selbst behält eine
Logdatei, versichert jedoch, die gesammelten Daten nach 18 Monaten zu anonymisieren,
vgl. http://support.google.com/accounts/answer/54068?hl=en vom 23.01.2015.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien