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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Das Museum von Babel? | 205 die dem System im Hinblick auf sein bisheriges Konsumverhalten relevant erschei- nen. Diese Relevanzeinschätzung wiederum basiert logischerweise auf der Beobach- tung des Kaufverhaltens der breiten Masse der Kunden.7 Dabei werden einzelne Ar- tikel im Sortiment zugleich dynamisch mit anderen verlinkt, welche oft zusammen mit diesem bestellt werden. Amazon besitzt zwar auch ein System von Produktkate- gorien, mit dem sich z.B. direkt die romantischen Vampir-Romane oder die Komö- dien-DVDs aufrufen lassen, sein eigentliches Herz ist aber das assoziativ angelegte Navigationssystem. Überhaupt präsentieren sich Auswertungsalgorithmen wie jene von Google oder die Amazon-Produktempfehlung zunächst einmal als logische Weiterentwicklungen des Assoziationsparadigmas, das Vannevar Bush der Memex-Maschine zugrunde ge- legt hat. War es dort noch der individuelle Nutzer, der einer individuellen Maschine seine eigenen Assoziationsmuster einimpfen und sie damit außerhalb seines eigenen und notwendigerweise vergesslichen Verstandes verstetigen sollte, sind es nun Kol- lektive von Nutzern, die einer zumindest in unserem Nutzungserleben weitgehend ortlosen bzw. kaum lokalisierbaren Software-Zentralinstanz ihre Assoziationen nur mehr ganz implizit mitteilen ‒ indem sie eben suchen, anklicken, womöglich bestel- len oder herunterladen. Das ganze vernetzte Gefüge unserer kulturellen Wirklichkeit, aller unserer Zeichen, aller unserer Texte und aller ihrer Bedeutungen scheint virtuell (und vor allem: vermessbar!) verborgen zu sein in der Architektur des Hypertextes und der Art, wie individuelle Nutzer einzelne Webseiten abrufen. Der Code allein spricht nicht über die Welt, aber die Art und Weise, wie er gelesen wird, sehr wohl ‒ und diese ist, so lautet die dem Google-Prinzip zugrundeliegende Annahme, eben kein aller Technik entrücktes Gemauschel im Raum des Geistes und der Emotion, sondern ein in seinem großen Umriss durchaus statistisch modellierbares Gewebe von Zugehörigkeiten und Abgeschiedenheiten, von Nähen und Distanzen, über wel- ches letztlich nicht die Netz-Detektive, sondern die Netz-Flaneure abstimmen. Dies tun sie mit den metaphorischen Füßen: Das Besondere am Hypertext ist eben, dass der Text nicht mehr nur die Entscheidungen des Autors abbildet, sondern zugleich jene des Lesers einfordert, und jede dieser Leserentscheidungen muss dem System in Form einer klaren Auswahl dieses oder jenes Hyperlinks mitgeteilt werden, womit sie unweigerlich serverseitig erfassbar wird. Das Web steht nicht immer und überall im direkten ›Dialog‹ mit seinen Nutzern, aber wir erklären ihm grundsätzlich mit jedem Klick aufs Neue unsere Absichten. 7 Amazon.com nutzt dabei ein kompliziertes System, das ›Cluster‹ von Zugriffen auf Artikel auswertet und hierbei sowohl Nutzer- als auch Artikelgruppen einbezieht (vgl. Linden, Smith u. York 2003: 76f.; 78f.).
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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