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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Das Museum von Babel? | 211 aller auf ihnen gründenden Ausstellungen. Während das Web und seine ideenge- schichtlichen Vorläufer auf das Bestreben zurückzuführen sind, Grenzen und Ab- schlüsse in Wissensräumen zu überwinden, braucht das Museum in seiner klassi- schen Erscheinungsform den inneren Abschluss des Präsentierten und den äußeren der Institution, weil eben nur so die Autorschaft des Kuratoriums und die Bedeut- samkeit der Objekte im physikalischen Raum nachzuweisen sind. Paul Valérys Mu- seumskritik lässt sich letztlich leicht als eine lesen, die von den Museen vor allem mehr Abschluss, mehr Selbstbescheidung und mehr Fokussierung auf das Einzelob- jekt verlangt. André Malraux indes, jener Staatsmann und Kulturtheoretiker, der dem Museum ja ohnehin jede Fähigkeit zum historisch ›authentischen‹ Ausstellen abspricht, sieht in ihm eine gerade aus ihrem vergeblichen Streben nach der Rekonstruktion histori- scher Wirklichkeiten heraus verfehlte (oder zumindest immer defizitäre) Institution. Authentische Abbildung nämlich müsste nach Malraux die Wiederherstellung des Gesamtzusammenhanges beinhalten, und in dessen Ermangelung bleibt jedes Mu- seum letztlich unvollständig. Was Andreas Urban ›Geschichtsbild‹ nennt ‒ eben das souveräne, schlaglichtartige und in sich geschlossene Deutungsangebot, in dem die Ausstellung vollständig und vollendet erscheint ‒ ist für Malraux immer nur der an- näherungsmäßige und letztlich zum Scheitern verurteilte Versuch einer Rekonstruk- tion von Zusammenhängen, die in der weiten Welt menschlichen Lebens und Han- delns nun einmal verloren sind. Sie alle wiederherzustellen wäre nicht einmal mög- lich, wenn wir tatsächlich die ganze Welt zum Museum machten. So schreibt Mal- raux über die Unvollkommenheit des Museums als Ort der Erinnerung: Was muß dem Museum unvermeidlich fehlen? Alles, was an ein Ganzes gebunden ist, wie Glasfenster oder Fresken; was sich nicht transportieren oder was sich nur unter Schwierigkeiten ausbreiten läßt, wie etwa Folgen von Wandteppichen; was nicht zu erwerben ist. Selbst wenn ständig immense Mittel zur Verfügung ständen, bleibt ein Museum doch nur das Ergebnis vie- ler glücklicher Zufälle. Trotz all seiner Siege ist es Napoleon nicht geglückt, die Sixtina dem Louvre einzuverleiben, und kein Mäzen wird je das Königsportal von Chartres oder Piero della Francescas Fresken in Arezzo in das Metropolitan Museum verbringen können. [...] So ist das Museum, entstanden zu einer Zeit, da das Staffeleibild die einzige noch lebendige Form der Malerei war, heute wohl eine Bildergalerie geworden, nicht aber ein Museum der Farbe, eine Sammlung plastischer Einzelwerke, nicht der Skulptur schlechthin. (Malraux 1960: 11) Malrauxs Antwort auf diese Unfähigkeit des Museums, die versatzstückhaften Aus- stellungsobjekte in die Totalität ihrer historischen Umwelten einzuordnen und damit die Gesamtheit der Stile in ihrer geschichtlichen Kontinuität abzubilden (es sei daran erinnert, dass Malraux sich in seinen Ausführungen vorrangig auf das Kunstmuseum als Träger kulturellen bzw. kulturhistorischen Bewusstseins kapriziert) ist eine Me- dientechnologie ‒ nämlich die Fotografie. Tatsächlich begegnet uns bei Malraux im
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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