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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Das Museum von Babel? | 215 für uns weder verständlich noch anschlussfähig sind, kann das Museumsding nur dort in Erscheinung treten, wo kulturelle Prozesse bereits stattgefunden haben. Die Kom- plexität entfaltet sich daher nicht im Einzelobjekt, sondern in den Relationen zwi- schen ihnen, die ja das Wesen des Museums ausmachen. Bei Hans von Aufseß und dem GNM mit seiner schwierigen Kollision von musealer Ausstellungspraxis und Totalitätsanspruch wird daher in der Lesart Tschirners bereits das deutlich, was man mit Rückgriff auf Ross Parrys Recoding the Museum womöglich als den besonderen ›Datenbank‹-Charakter des Museums beschreiben könnte. Das GNM war, so Tschirners These (die uns unweigerlich an Vannevar Bushs Analyse der wissen- schaftlichen Veröffentlichungsschwemme im 20. Jahrhundert denken lassen muss), ein »Sammelkasten« von Sinnmodulen, der sich aufgrund seines Umfangs mittels klassischer Register und Kataloge zwar grundsätzlich noch verzeichnen, nicht aber sinnvoll dynamisch verwalten ließ. Von Aufseß habe sich daher bezeichnenderweise dem Zettelkasten als Werkzeug zur Organisation seiner Sammlung zugewandt (vgl. ebd.: 52ff.) und damit eben jener Urform modularer Wissensorganisation, aus deren Tradition das Medium Hypertext auch nach seiner Digitalisierung nicht zu lösen ist. Die besonderen Vermittlungseigenarten des Museums jedoch ermöglichten eine be- sonders innige Integration des Zettelsystems in die kuratorische Arbeit: Für die Aus- stellungsmacher des GNM wurde, so schreibt Tschirner, die Karteikarte gewisserma- ßen zur virtuellen Dublette des Objektes, das sie beschrieb. Ausstellungen ließen sich mit den Karten, die auf individuelle Schaustücke verwiesen, vorab modellieren. Sammlung und Verwaltungsapparat erschienen als ihre jeweils wechselseitigen Spie- gelbilder, und das GNM selbst als Versuch eines »Generalrepertoriums« der deut- schen Geschichte sowohl in Form materieller Objekte, als auch der schriftlich nie- dergelegten Sprachfetzen, die sie identisch ausweisen und somit unabdingbar für den informierten Umgang mit ihnen sind (vgl. ebd.). Die Sinnhaftigkeit einer Sammlung hängt aufgrund der epistemischen Unschärfe von Museumsdingen von ihrer Inventa- risierung ab ‒ und die Art der Inventarisierung wiederum bestimmt entscheidend die Möglichkeiten musealer Gestaltung mit (vgl. ebd.: 186f.). 4.3.2 Das Museum ohne Wände und das transformative Objekt Das Imaginäre Museum nach Malraux entfernt das Originalobjekt zwar nicht kom- plett aus dieser Gleichung, aber als Konzept postuliert es eine Bedeutungsverschie- bung der materiellen Kulturgüter von Gegenständen der subjektivierten Anmutung hin zu Gegenständen objektivierten Wissens: Eine serienmäßig hergestellte Reproduktion dient mehr der Bereicherung unserer Kenntnisse, als daß sie unser betrachtendes Auge befriedigt; immerhin bereichert sie unsere Kenntnisse, wie es ehemals durch die Erfindung des Kupferstichs geschehen war. (Malraux 1960: 26)
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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