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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Das Museum von Babel? | 217 bei Malraux sieht Schweibenz von daher als die der Schaffung von ›reinen‹ Kunst- werken, denen die ›Aura‹ keine Grenzen der Assoziierbarkeit mehr zu setzen vermag: Sie lege den »Sinngehalt der Stile« offen und intellektualisiere die Kunst. Für Sch- weibenz ist die Entstehung virtueller Museen lediglich die logische Fortsetzung die- ser im 19. Jahrhundert einsetzenden Entwicklung auf der Basis neuer medialer Mög- lichkeiten (vgl. ebd.). Dass Malraux im Zusammenhang mit dem virtuellen Museum immer wieder auf- taucht und hier tatsächlich als einer der wenigen kanonischen Autoren zu gelten hat ‒ vielleicht gar als der einzige ‒ ist also keineswegs verwunderlich. Auch die Ver- bindung zur Ideengeschichte der Hypertexttheorie ist hier bisweilen angeklungen ‒ Ross Parry These vom Museum als eigentlichem Vorläufer der Datenbank wurde ja bereits erwähnt, und Erkki Huhtamo bemerkt in einem 2002 für das Nobel-Sympo- sium über virtuelle Museen entstandenen Text ebenfalls die kuriose und zunächst noch nach beiden Seiten völlig folgenlose Zeitgenossenschaft von Vannevar Bush und André Malraux. Diese verleitet ihn gar zu der These, dass die kombinierten Ideen dieser beiden Figuren bereits die Wegweiser seien, die uns »an die Pforten des virtu- ellen Museums« (vgl. Huhtamo 2002: 3) führen. Huhtamo lässt es sich dabei nicht nehmen, diese Vermählung direkt in noch größere Gedankentraditionen einzureihen ‒ vor allem in jene des in den 1930er Jahren von H.G. Wells geprägten Konzeptes vom World Brain. Wells projizierte mit diesem Begriff das Bild eines absoluten Spei- chers, der nicht nur alles Wissen der Menschheit aufnehmen, sondern auf den darüber hinaus von überallher mittels technischer Apparate zuzugreifen möglich sein sollte (vgl. Huhtamo 2002: 2). So naheliegend diese Einordnungen zu sein scheinen, sie verfehlen doch die jeweiligen Eigenheiten sowohl des Imaginären Museums als auch des Memex-Konzeptes. Natürlich muss eine Idee wie das World Brain im Internet-Zeitalter prophetisch erscheinen, und der Anspruch, ein absolutes Speicher- und Abrufsystem für die Ge- samtheit des Weltwissens zu konstruieren, erhält spätestens mit Ted Nelsons Project Xanadu in den 1960er Jahren Einzug in die Hypertexttheorie. Auch Eugene Garfield, der Vater des Science Citation Index, verortete seine Arbeit Mitte der 1970er Jahre als Beitrag zum Großprojekt der Schaffung des World Brain. Garfield sah in der Öko- nomisierung und Entschlackung von Kommunikationsprozessen nicht nur eine Über- lebensfrage für die Wissenschaft, sondern auch eine wichtige Voraussetzung dafür, das entstehende Weltgehirn für jedermann offen und verfügbar zu halten und damit seinem Missbrauch durch totalitäre Zentralgewalten vorzubeugen (vgl. Garfield 1984b: 8). Obwohl insbesondere Vannevar Bush aus dieser speziellen utopischen Ideentra- dition nicht hinwegzudenken ist, zielen seine Ideen und die André Malrauxs für sich genommen und aus ihrer historischen Situation heraus doch in unterschiedliche Rich- tungen. Bushs Memex ist kein Netzwerk-Terminal, das Information von einem räum- lich weit entfernten ›Server‹ aufruft, sondern es ist selbst sowohl Speicher als auch
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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