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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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5 Gelenkte Rhizome: Kulturelles Erbe und kulturelle Kybernetik In der 1976 vorab gedruckten Einleitung zu ihrem 1980 erschienenen Buch Mille Plateaux (das gemeinsam mit seinem 1972 veröffentlichten Vorgänger L᾿anti-O- edipe das Gesamtwerk Capitalisme et Schizophrénie bildet) entwickeln Gilles De- leuze und Félix Guattari ein Wissens- (und im weiteren Sinne Gesellschafts-)Modell, das sich aller Hierarchisierung und stratifizierten Machtausübung entziehen sollte und das ‒ obwohl die Autoren keinerlei Bezug auf ihn, seine Theoriegeschichte oder digitale Medien nehmen ‒ in vielerlei Hinsicht die Funktionalität, Ästhetik und sozi- ale Programmatik des Hypertextes unterstreicht. Deleuze und Guattari bedienen sich dabei einer Metaphorik, die der Biologie bzw. genauer der Botanik entlehnt ist: Sie sprechen vom Rhizom ‒ ein Wort, das typischerweise das netzartige unterirdische Sprosssystem beschreibt, das bestimmte niedrigwachsende Pflanzen wie Gräser, Moose oder Lotusblumen ausbilden. Die Stoßrichtung dieser Metapher wird für den mit Hypertextsystemen vertrauten Leser der Gegenwart bereits zu erahnen sein ‒ die Medientheoretikerin Janet Murray zieht diese Verbindung ganz ausdrücklich in ihrer einflussreichen, 1997 erschienenen Monographie Hamlet on the Holodeck (vgl. Murray 1997: 134) ‒ interessant ist aber nicht nur die Metapher selbst, sondern auch die Art des Schreibens und der Wissens- vermittlung, gegen die Deleuze und Guattari sich mit ihr positionieren. Während Vannevar Bush das Memex-System aus der Perspektive der Bibliothek heraus kon- zipiert, blicken Deleuze und Guattari bei der Ausarbeitung des Modells auf individu- elle Bücher bzw. Texte und nähern es damit als ungewollten Nebeneffekt auch dem Museumsdispositiv an, in dem das Wissensgefüge ja ebenfalls aus Fragmenten be- steht, die individuell nicht abzuschließen sind. Die prototypische Form von Wissens- vermittlung im abendländischen Denken sei, so stellen sie fest, das »Wurzelbuch« (Deleuze u. Guattari 1997: 8). Dieses zeichne sich dadurch aus, dass es eine an einen Baum erinnernde, von unten nach oben reichende Hierarchie des Sinns etabliere: Aus einem ›Stamm‹ von Gedanken, der fest in bestimmten Konzepten ›verwurzelt‹ ist, entwickelt das Wurzelbuch ein ›Geäst‹ von Ideen, das zwar sehr komplex und weit
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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