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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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228 | Dinge – Nutzer – Netze ausladend gedeihen könne, in dem sich aber letztlich jede Sinn-Verästelung gerade- wegs zu den ihr zugrundeliegenden Vorannahmen zurückverfolgen lasse (vgl. ebd.: 8f.). Interessanterweise erscheint diese Textform nicht etwa stringent linear, sondern ist durchaus zweidimensional organisiert ‒ nur so lassen sich ›Wurzeln‹ und ›Äste‹ ja denken. Allerdings ist ihre Organisation nicht flach, sondern getragen eben von der Autorität von Ideen übereinander bzw. der Abhängigkeit allen Wissens von Prä- missen, die ihnen als Wahrheitsbedingungen vorangestellt sind. 5.1 VERWURZELTE UND VERTEILTE TEXTE Das Rhizom bzw. der rhizomatische Text wird dagegen als eine entschieden mo- derne, völlig flache und egalitäre Bühne des Wissens gedacht. Ganz in Übereinstim- mung mit der Hypertexttheorie entwerfen Deleuze und Guattari hier das Bild von Texten, die zerstückelt und zerkleinert sind und deren Fragmente ihren Sinngehalt nicht etwa aus der Rückbindung an ›Stamm‹ oder ›Wurzel‹-Konzepte beziehen, son- dern aus der machtfreien Interaktion miteinander. Dabei können einzelne dieser Bau- steinchen durchaus miteinander verbunden sein, aber diese Verbundenheit impliziert keine Hierarchie in irgendeiner Richtung, und die ›Wurzeln‹ innerhalb des Rhizoms sollen viel kürzer und chaotischer verstrebt sein als jene des Wurzelbuches (vgl. ebd.: 9ff.). Während im Wurzelbuch Sinn (wie Flüssigkeit und Nährstoffe im tatsächlichen Baum) von den Wurzeln durch den Stamm ins Geäst geleitet wird, impliziert das Rhizom als Begriff eine Heterogenität semiotischer Einzelelemente, die ihre Bedeu- tung temporär aus einem variierenden Machtgefüge erhalten, anstatt sie in Form ihrer eigenen Genealogie mit sich herumzutragen: Ein Rhizom verknüpft unaufhörlich semiotische Kettenteile, Machtorganisationen, Ereignisse in Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlichen Kämpfen. Ein semiotisches Kettenglied gleicht einem Tuberkel, einer Agglomeration von mimischen und gestischen, Sprech-, Wahrneh- mungs- und Denkakten: es gibt keine Sprache an sich, keine Universalität der Sprache, sondern einen Wettstreit von Dialekten, Mundarten, Jargons und Fachsprachen. Es gibt keinen idealen Sprecher-Hörer, ebensowenig eine homogene Sprachgemeinschaft. Die Sprache ist nach einer Formulierung von Weinreich »eine wesentlich heterogene Wirklichkeit«. Es gibt keine Mut- tersprache, sondern die Machtergreifung einer beherrschenden Sprache in einer politischen Vielheit. (Ebd.: 12) Rhizome sind also im Gegensatz zum Wurzelbuch nicht ›gewachsen‹, sondern per- manent im Zustand des Wachstums (und damit natürlich auch des partiellen Abster- bens und Neugedeihens) befangen. Während Inhalte im Wurzelbuch punktuell loka- lisierbar sind, funktioniert das Rhizom über Linien und Vektoren (vgl. ebd.: 14f.).
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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