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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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230 | Dinge – Nutzer – Netze Der Entdecker einer solchen Landschaft ist insofern grundverschieden von Umberto Ecos Detektiv, als dass dieser immer in einer historischen Welt beheimatet ist, in der alles Geschehen auf eine ›Ahnenreihe‹ von kausal gestaffelten Vorgängerereignissen zurückblicken kann. Er lebt gewissermaßen in derselben ›Wurzelwelt‹, in der sich auch das Museum konstituiert, in der nämlich vergangene Tatbestände uns Spuren hinterlassen, zwischen denen wir den Umriss einer historischen Welt zu zeichnen vermögen. Der Entdecker im Rhizom hingegen findet die sich ihm darbietende Sinn- Welt immer wieder wie neu geboren vor ‒ nicht umsonst denken Deleuze und Gua- ttari das Rhizom vor allem aus der Perspektive von Mentefakten (nämlich Textsyste- men), die im Gegensatz zu Artefakten nicht in der penetranten, Arendt᾿schen Dauer- haftigkeit des Materiellen ihre Ursprungssituation referieren. Das Rhizom soll dem Entwurf seiner Definitoren folgend überhaupt keine punktuellen Landmarken mehr aufweisen. Orientierung soll nicht mehr über klare semiotische Zuordnung von Sig- nifikant und Signifikat funktionieren, sondern über die Interrelationen der Signifi- kanten zwischeneinander. Das Nächstbeste zu einem tatsächlichen Orientierungs- punkt sollen Text-›Orte‹ sein, an denen sich Signifikanten besonders engmaschig verdichten. Diese Orte leihen dem zweiten Band von Capitalisme et Schizophrénie ihren Namen: Deleuze und Guattari nennen sie Plateaus (vgl. ebd.: 35). 5.2 PARTIZIPATION ALS RHIZOMATISCHES PHÄNOMEN Diese Arbeit will überhaupt nicht versuchen, abschließend zu klären, inwiefern das WWW oder das Museum tatsächlich als rhizomatische Kulturerscheinungen betrach- tet werden könnten. Sicherlich erfüllen beide eine Anzahl der genannten Kriterien: Beide weisen eine netzartige Organisation von Zeichen auf, die eben nicht nur Text sind, beide verbinden diese vernetzte Anordnung von Inhalten mit einer Vernetzung von Rezipienten und Produzenten, beide vermitteln Wissen eher in zweidimensional modularisierter denn in eindimensional sequenzierter Form, beide ordnen ihre Sinn- bausteine eher horizontal in der Ebene als vertikal hierarchisiert an, beide stellen also ihren Rezipienten Virtualitäten des Wissens zur Verfügung und lassen ihnen einigen Spielraum bei deren Aktualisierung. Allerdings legen sowohl Netz als auch Museum darüber hinaus weitere Eigenschaften an den Tag, die entschieden unrhizomatisch sind: Beide bestehen eben nicht nur aus dynamischen Vektoren des Wissens, sondern auch aus Knotenpunkten. Im Museum sind diese als materielle Dinge in ihrer Ver- fasstheit nahezu unveränderlich, während digitale Objekte im Netz zwar prozedural entstehen, dabei aber Identitätsbedingungen unterworfen sind, die auf die spezifische Beschaffenheit von Verlinkungsgefügen und die Architekturen von Softwares zu- rückverweisen. Das Web besteht nicht aus Vektoren in Relation zueinander, sondern
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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