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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Gelenkte Rhizome: Kulturelles Erbe und kulturelle Kybernetik | 231 aus Pfaden zwischen Punkten. Im Museum ist dies ähnlich, und in seiner ganzen in- stitutionellen Anlage steht es darüber hinaus im Widerspruch zur rhizomatischen Ent- hierarchisierung, weil sich sein Anspruch als Dispositiv pädagogisch legitimierter Kulturvermittlung ja gerade aus seiner Wechselwirkung mit Expertensystemen wie z.B. den historischen Wissenschaften ergibt. Und auch das Web überschreibt als Hy- pertextsystem die Geschichtlichkeit des Wurzelbuches nicht rundheraus mit der Si- tuativität des Assoziativen: Schon in Vannevar Bushs Metapher von den Pfaden des Interesses ist ja eine historische Zielrichtung der Texterschließung angezeigt, eine Bewegung von der Abreise in Richtung einer wie auch immer beschaffenen Ankunft. Trails of interest bilden mindestens eine Genealogie der Interessen des Lesers ab, hinter der sich in den meisten Fällen ja gerade der Wunsch verbergen wird, Wissen zu ordnen. Tatsächlich kann Memex durchaus als eine Maschine beschrieben werden, die Wissen hierarchisiert und ›verwurzelt‹, die weniger die Wurzelbücher in ein Rhi- zom auffächern sondern aus disparaten Textstellen neue, virtuelle Wurzelbücher ent- stehen, neue Stämme aus alten Wurzelwerken sprießen lassen soll. Indes ist das Rhizom sicherlich ein durchaus tragfähiges metaphorisches Modell für die Utopien von Sinnstiftung und die Beziehung zwischen Autoren und Rezipi- enten, die sich mit dem Cyberspace verbinden, wie er in den 1980er und 1990er Jah- ren ersonnen wurde ‒ und gezähmt mit der Vorstellung vom Web 2.0, die ja zentral in Aussicht stellte, den User selbst zum wichtigsten Produzenten von Inhalten zu ma- chen, die Intelligenz der Masse über die Vermittlungsabsichten irgendwelcher Urhe- ber zu stellen und Software vom Produkt, das fertig und abgeschlossen im Regal eines Elektromarktes steht, zu einem Prozess zu machen, der sich im Zustand seiner Nutzung erst funktional entwickelt (vgl. O᾿Reilly 2005). Zugleich lassen sich auch die in der Museumspädagogik stattfindenden Debatten über Tempel- und Forenprin- zip letztlich als eine Diskussion darüber lesen, inwieweit Museen imstande sind, rhi- zomatisch zu funktionieren – und zwar sowohl innerhalb ihrer Wände, als auch in ihrer Beziehung zur Außenwelt. Innerlich würde eine ›Rhizomatisierung‹ des Muse- ums wohl am ehesten darauf hinauslaufen, sich im von Franz Boas diagnostizierten Balanceakt von perspektivisch-interpretativer Offenheit und didaktischer Eingren- zung verstärkt in Richtung Offenheit zu bewegen, bzw. nicht nur einer Offenheit der Rezeptionsmöglichkeiten und Interpretationsspielräume, sondern schlechthin der Kommunikation zwischen Besuchern und Kuratoren. Es würde bedeuten, die ›Wur- zeln‹ der kuratorischen Autorschaft sowie der Anbindung an wissenschaftliche, po- litisch institutionalisierte Expertensysteme wenn nicht zu kappen, so doch der emergenten Kommunikation innerhalb des Museums unterzuordnen. Es hieße also, darauf zu vertrauen, dass die Auseinandersetzung der Besucher mit der Ausstellung und miteinander letztlich ein sinnhaft erfahrbares Gesamtgefüge entstehen lassen wird ‒ und dass der rhizomatische Umgang mit musealen Inhalten mögliche Unver- ständlichkeiten einfach ›umwuchern‹ und anderweitig auszufüllen imstande ist.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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