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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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242 | Dinge – Nutzer – Netze den Leser, der den Text nicht mehr im Vorbeiziehen erlebt, sondern Arbeit in ihn investiert und ihn damit gewissermaßen ›besiedelt‹. Der Cybertext fließt nicht ein- fach vom Autor durch das Medium abwärts zum Leser, sondern entsteht in einem deutlich verflachten netzhaften Dispositivgefüge, in dem Produzenten und Rezipien- ten miteinander und mit einer medientechnischen Anordnung in Rückkopplung tre- ten. Wie Google Analytics im Speziellen scheint das Prinzip Cybertext im Allgemei- nen einem rhizomatischen Paradigma zu folgen, das keine institutionalisierten oder von Experten sanktionierten Lesarten und Wissensordnungen privilegiert, sondern sich ›von unten‹, oder zumindest in der Ebene, organisiert. Nun wurde allerdings zuvor bereits ausgeführt, dass der Mensch mit Computern immer im Imperativ kommuniziert. Pro-Gramme sind Vor-Schriften, also Regelsys- teme, und damit unweigerlich hierarchisch angelegt. Cybertexte setzen Programmie- rung voraus, und Programmierung wiederum eine kulturelle Absicht. Googles Such- algorithmen sind nicht aus kosmischer Notwendigkeit heraus entstanden, sondern aus der Intention, eine Auffindbarkeit kultureller Inhalte in einer ganz bestimmten Form der Textorganisation mit einer ganz bestimmten Infrastruktur zu gewährleisten. Page Rank und Google Analytics bilden einerseits eine Reaktion auf existierende techni- sche Gegebenheiten ab ‒ nämlich auf das Internet und das WWW in ihrer konkreten funktionalen Verfasstheit ‒, zugleich aber auch ein Modell kultureller Relevanz und Autorität, das gewählt ist und durchaus anders aussehen könnte, so nützlich und in- tuitiv einleuchtend es auch sein mag. Insofern teilt das Web ein weiteres zentrales Charakteristikum klassischer Muse- umsausstellungen: Es gaukelt uns zuweilen natürliche Folgerichtigkeit vor, wo wir tatsächlich auf kulturelle Programmatiken blicken. Anders als die meisten Museen gehören die Anbieter von Navigationssoftware im Web allerdings üblicherweise zur Privatwirtschaft und verfolgen ein Ziel, das für öffentliche Bildungseinrichtungen meist sekundär ist: Profitmaximierung. Google ist nicht nur ein Werkzeug für die Suche nach Webinhalten, und auch nicht ›nur‹ ein mächtiges Interface, das mittler- weile über den Zugriff auf weite Teile unserer kulturellen Welt mitbestimmt, sondern es ist vor allem auch ein Dienstleistungsunternehmen mit einem spezifischen Ge- schäftsmodell. Dieses kreist nicht vorrangig um Suchtreffer, sondern um Nutzerda- ten. Wer von Google kulturelle Ausgewogenheit oder gar ein Bewahrungsinteresse für Kulturgüter erwartet, der versteht laut Geert Lovink schlechterdings nicht, wie Google technisch und wirtschaftlich funktioniert. Zum schon von Jeanneney kriti- sierten Bibliothekprojekt Google Books merkt er an: Google leidet an Datenfettsucht und ist gegenüber Aufforderungen zu sorgfältiger Aufbewah- rung von Daten indifferent. Es wäre naiv, von Google kulturelles Bewusstsein zu erwarten. Das primäre Interesse Googles an diesem zynischen Unternehmen besteht darin, das Verhalten
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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