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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Gelenkte Rhizome: Kulturelles Erbe und kulturelle Kybernetik | 243 von Nutzern zu beobachten, um Verbindungsdaten und -profile an interessierte Dritte zu ver- kaufen. Google geht es nicht um das Eigentum an Émile Zola. Seine Absicht besteht eher darin, den Proust-Fan vom Archiv wegzulocken. (Lovink 2010: 59) Die Suche und die Inhalte, die sie uns erschließen soll, sind also nicht Googles ei- gentliches Geschäft, sondern nur ein Zwischenprodukt, dass es in metrisch auswert- und monetarisierbare Nutzerentscheidungen zu übersetzen gilt. Google (und natür- lich auch jeder andere Suchmaschinenbetreiber) trachtet letztlich danach, das kost- barste Gut der Netzökonomie in bare Münze umzuwandeln ‒ nämlich die Aufmerk- samkeit der Nutzer. Es geht darum, Modelle ihrer ›Persönlichkeit‹ zu entwickeln, mit deren Hilfe sie sich optimal ansprechen lassen (vgl. ebd.: 60f.). Insofern kann Google sich ebenso wenig pädagogischen Idealen verschreiben wie einer Logik des Rhizoms. Suchmaschinenanbietern geht es nicht darum und kann es nicht darum gehen, der ›breiten Masse‹ die Deutungshoheit über kulturelle Inhalte zu übertragen. Vielmehr ist es ihr Ziel, dem individuellen Nutzer so präzise wie möglich genau das zuzufüh- ren, was er haben möchte, damit er möglichst in Zukunft wieder denselben Dienst nutzt und dabei noch mehr über sich preisgibt. Entsprechend muss ihnen daran gele- gen sein, das Rhizom auf die dichtesten, höchsten Plateaus zusammenzustutzen. Aus ihrer logischen Anlage heraus begünstigen sie peripheres Wissen zunächst keines- wegs. Genau dies meint Jean Jeanneney ja mit seiner Kritik an der Gewichtung von Suchergebnissen in Richtung des ›Gondelendes‹. Zugleich sind Suchmaschinen und Empfehlungssysteme aber natürlich längst nicht mehr aus dem WWW fortzudenken, und wenn eine klassische Kulturinstitution wie das Museum ins Web ausgreifen möchte, dann muss sie sich zu dieser Tatsache in irgendeiner Form verhalten. Dies kann, wie der Museumswissenschaftler Jon Pratty anmerkt, schmerzhafte Kompro- misse erforderlich machen. Museale Web-Präsenzen können es sich seiner Einschätzung nach nicht nur nicht leisten, sich von Auffind-Mechanismen abzugrenzen, sondern sie müssten sich die- sen vielmehr sogar explizit anpassen (vgl. Pratty 2006) ‒ und sich damit in einen Trend einreihen, der nach Roberto Simanowski längst für Design und Ausrichtung von Webseiten jeder Couleur tonangebend geworden ist. Das Netz nämlich ist bereits mit Webseiten überschwemmt, deren einzige Funktion es nicht etwa ist, irgendwel- che eigenen Inhalte zu übermitteln, sondern vielmehr, Suchmaschinentreffer zu er- zeugen. Diese sogenannten made for adsense- (oder kurz MFA-)Seiten dienen in ers- ter Linie als Plattformen für Werbung und sollten idealerweise (oder treffender viel- leicht: schlimmstenfalls) Worte oder Wortfolgen enthalten, die eine maximale An- zahl von Suchtreffern für eine maximale Anzahl von Anfragen produzieren. Längst ist auch eine eigene Subökonomie von Internetfirmen entstanden, die Unmengen bil- liger Arbeitskräfte für nichts anderes bezahlen, als unsinnige Texte für solche Web- seiten zu schreiben. Während Suchmaschinen also über trickreiche Rankingsysteme versuchen, die Bibliothek von Babel zu bändigen, sind solche Netz-Hasardeure eifrig
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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