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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Gelenkte Rhizome: Kulturelles Erbe und kulturelle Kybernetik | 245 5.6 CULTURAL ANALYTICS: DIE QUANTIFIZIERUNG KULTURELLER PHÄNOMENE Im Jahre 2007 beantwortete Lev Manovich die Geburt von Google Analytics mit ei- nem gleichermaßen ambitionierten wie streitbaren Text, den er programmatisch mit Cultural Analytics betitelte und in dem er nicht weniger einfordert als eine funda- mentale Reform im Umgang der Kulturvermittlung und Kulturwissenschaften mit dem Wissen über die Welt, in der wir leben. Es gelte, so seine These, sich hier Tech- nologien zu öffnen, die in anderen Bereichen ‒ wie den ›harten‹ Wissenschaften, der Wirtschaft und diversen Regierungsagenturen ‒ längst essentiell geworden seien. Er meint damit nicht etwa nur die ›neuen Medien‹ als Präsentationsplattform, sondern mit ihnen einhergehend vor allem jene häufig unter dem Begriff big data gehandelten Methoden des data mining, der statistischen Auswertung und der simulatorischen Visualisierung, mit denen Muster, Regelmäßigkeiten und Anomalien in extrem gro- ßen Datensätzen ausfindig gemacht werden sollen. Der Kulturbetrieb, ob er nun pro- fitorientiert sei oder nicht, komme nach Manovichs Dafürhalten nicht länger umhin, sich diese Werkzeuge ebenfalls zu eigen zu machen ‒ schließlich fände bereits ein Großteil (wenn nicht gar der größte Teil) unserer Auseinandersetzung mit kulturellen Inhalten in digitaler und vernetzter Form statt. Zum Zeitpunkt der Entstehung seines Textes hatten allein Google und Amazon bereits zehntausende von Büchern einge- scannt und im Netz abrufbar gemacht, und zur Illustration der schieren Datenmasse verweist Manovich auf die Fotoplattform Flickr, auf der im Juni 2007 nicht weniger als 560 Millionen Bilder samt Metadaten abrufbar waren. Das Ziel, das Manovich mit den Cultural Analytics verfolgt, erscheint dabei als eine extrem konsequente tech- nische Umsetzung dessen, was Friedrich Kittler 1980 folgenreich die »Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften« (vgl. Kittler 1980: 8ff.) nannte: nämlich die Ablösung der Kulturarbeit von dem, was man klassischerweise den ›Inhalt‹ nen- nen würde, und eine Hinwendung zu den situativ-medialen Umständen seiner Rezep- tion. Gegenstand von Cultural Analytics sind für Manovich nicht Inhalte, sondern die Daten, die im Zuge ihrer Verwendung generiert werden. Das System soll dreierlei in den Fokus rücken: Erstens die existierenden Metadaten, mit denen kulturelle Inhalte ins Netz hochgeladen werden, zweitens die neuen Metadaten, die aus dem Umgang mit im Netz verfügbaren Inhalten entstehen (ein einfaches Beispiel wären hier z.B. Bildanalysen, die sich auf digital abrufbare Bilder beziehen und ihrerseits im Web publiziert sind), und drittens schließlich die virtuellen Spuren von Netz-Nutzern, die kulturelle Inhalte online produzieren, veröffentlichen, anschauen, verändern, disku- tieren, konsumieren usw. Die so gewonnene Datenflut gilt es dann laut Manovich nicht etwa unters metaphorische Mikroskop zu legen und im hermeneutischen Detail zu untersuchen ‒ dies liefe den Implikationen des Mediums völlig zuwider ‒, sondern
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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