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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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246 | Dinge – Nutzer – Netze vielmehr je nach Interessenlage der jeweiligen Untersuchung auf zweckdienliche Art zu visualisieren (vgl. Manovich 2007: 1f.). Es geht Manovich also um eine neue Form der Geisteswissenschaften und der kulturellen Vermittlung, die sich nicht länger am vermeintlich ›Wesentlichen‹ kultu- reller Gegenstände abarbeitet, sondern vielmehr nach ihrer Verbundenheit ‒ oder eben connectedness ‒ in Massenbewegungen des Wissens fragt, die womöglich rein gar nichts Wesentliches mehr an sich haben. Was dahinter steht ist eben die McL- uhansche Erkenntnis, dass das Medium die Botschaft ist, oder in diesem Falle präzi- siert: Dass Such- und Abrufsysteme für Information Determinanten sind für deren Wirken in unserer sozialen Umwelt. Die Suchmaschine ist für Manovich ausdrück- lich kein indexikalisches Auffindewerkzeug, dessen Wirkung und Anwendbarkeit sich auf das spezifische technische System beschränkt, in dem es als Software aus- geführt wird. Weil der Computer nach Manovich ja ein Filter für die Gesamtheit aller Kultur geworden ist, wird die Suchmaschine unweigerlich zu einem ihrer zentralen Interfaces. Und auch wenn Empfehlungssysteme überwiegend noch die Domäne von kommerziellen Dienstleistern wie eben Internet-Kaufhäusern sind, so werden doch auch sie zunehmend zu maßgeblichen Navigatoren, die uns im Dschungel der Virtu- alitäten zu dem führen, was uns interessiert und gefällt (oder die ‒ das wäre die kul- turpessimistischere Lesart ‒ womöglich aus der assoziativen Logik des Webs heraus unsere Interessen nicht etwa abbilden, sondern überhaupt erst produzieren). Kultur, davon ist Manovich überzeugt, ist letztlich keine Ansammlung dezidiert gemachter Fakten, sondern vielmehr data ‒ das gefundene (und somit gegebene) Ergebnis des Umgangs mit Gegenständen und ihren Bedeutungen, die in der Rezeption erst aktu- alisiert werden. Das revolutionäre Potential digitaler Medien besteht nun darin, dass diese Aktualisierungsprozesse nicht mehr nur in den uneinsehbaren Köpfen von Re- zipienten ablaufen, sondern messbare Spuren hinterlassen, weil jeder Abruf von In- formation dem Netzwerk und seinen Abrufsystemen gegenüber eine Aussage dar- stellt und somit selbst data wird, die in großem Stil ›gemined‹ werden kann. Natur- wissenschaftliches, kommerzielles und gouvernementales Wissen wird längst auf diese Art produziert ‒ und wenn sich die Kultur- und Geisteswissenschaften solche Methoden nicht ebenfalls aneignen, dann laufen sie nach Manovich Gefahr, über kurz oder lang hoffnungslos hinter ihre eigenen Untersuchungsgegenstände zurückzufal- len (vgl. ebd.: 2f.). Damit will Manovich zugleich eine Kulturpädagogik und -wissenschaft anstoßen, die ihren Blick anstatt auf die Geschichte auf die Gegenwart richtet. Jede wissen- schaftliche Auseinandersetzung mit der kulturellen Welt hat ja unweigerlich mit ihrer eigenen Nachträglichkeit zu kämpfen. Wer kulturelle Trends an Inhalten ablesen will, der kann dies immer nur im Nachhinein tun, wenn die entsprechenden Diskurse und die mit ihnen einhergehenden Bedeutungsverschiebungen längst stattgefunden und mediale Zeugnisse in genügendem Ausmaß hinterlassen haben. Manovich sieht die Attraktivität von Cultural Analytics nicht zuletzt darin begründet, dass sich mit ihnen
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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