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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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256 | Dinge – Nutzer – Netze und personeller Ebene birgt für Andrews und Schweibenz das eigentlich revolutio- näre Potential des Virtuellen Museums, das nicht in der Aussicht auf Universaldar- stellung in Abbildung, sondern in jener auf eine Demokratisierung der Museumsland- schaft liege. Und wenn grundsätzlich jede Privatperson ein Angebot ins Netz stellen und dieses als ›virtuelles Museum‹ bezeichnen kann, dann müsse dies nach Andrews und Schweibenz in irgendeiner Form eine Aufweichung des Museumsbegriffes schlechthin nach sich ziehen (vgl. ebd.: 10f.). Insofern ist das Web also kein Phäno- menbereich, dessen Auswirkungen sich in jenen auf einzelne Museen im Hinblick auf ihre individuellen Vermittlungsabsichten erschöpfen würden. Vielmehr verhan- delt jeder Museumsauftritt im Web implizit mit, was ein Museum ist, sein könnte und sein sollte. Das virtuelle Museum lehnt sich begrifflich an die Autorität einer Institu- tion an, welche es zugleich durch seine bloße Existenz zur Disposition stellt. Diese Feststellung führt uns zurück zu Steve Woolgars erster Regel der Virtuali- tät, der zufolge Ablauf und Akzeptanz von Virtualisierungsvorgängen stark sozial situiert sind. Andrews und Schweibenz unterstreichen diese Einschätzung mit der be- zeichnenden Beobachtung, dass es aus der breiten Mitte der Gesellschaft und damit dem von der Institution Museum anvisierten Publikum heraus keine vehemente Kri- tik an der Museumsvirtualisierung gebe. Zweifel und Vorbehalte gegen die Auswei- tung musealer Präsentationsbestrebungen in den Cyberspace kämen vielmehr aus den Reihen der Vertreter und Bediensteten existierender physischer Museen (vgl. ebd.: 21). Wiederkehrende Motive sind dabei in der museumspraktischen und -wissen- schaftlichen Fachliteratur eben der Verlust des Materiellen und damit der Authenti- zität (vgl. Waidacher 2000: 7) und die Besorgnis um eine Autorschaft, die erstens in der kulturellen Welt und zweitens speziell in der Expertise von Kuratoren verortet ist, welche sowohl in der Thematik der Ausstellung als auch in der Museumspädago- gik formal ausgebildet sind (vgl. Parry 2006: 52ff.). Im Folgenden wird der Blick darauf gerichtet werden, welche technisch-medialen Strategien virtuelle Museen tatsächlich anwenden (und anwenden können), um die Attribute physischer musealer Ausstellungen – Authentizität, auratische Anmutung, kuratorische Autorschaft, Abgrenzung von der ›profanen Welt‹, usw. – im Web zur Geltung zu bringen. Dabei wird ein besonderes Augenmerk zu einen darauf liegen müssen, wo hier Potentiale zur ›Aneignung‹ der Qualität des Musealen durch Akteure liegen, die selbst außerhalb der klassischen Institution und des klassischen Disposi- tivs ›Museum‹ agieren. Zum anderen wird es aber auch erforderlich sein, die Gren- zen, Brüche und Dysfunktionalitäten des Unterfangens aufzuzeigen, dem Netz mu- seale Paradigmen der Vermittlung von Wissen und ›Erlebnissen‹ aufzusetzen. Es wird also um die Beantwortung der Frage gehen, was genau im Diskurs der Muse- umsvirtualisierung als ›Musealität‹ verhandelt wird bzw. inwiefern die Eigenlogik des digitalen Mediendispositivs eine solche zu tragen imstande ist – und damit natür- lich auch darum, ob und wo in diesem Grenzbereich die Rolle und Funktionalität des Museums womöglich komplett neu gedacht werden müssen.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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