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Virtualisierung und Musealisierung: Skizze eines Spannungsfeldes | 263
gezeigten Suchergebnisse sind in der Reihenfolge absteigender Relevanz: erstens der
deutsche Wikipedia-Artikel über die Mona Lisa; zweitens die Homepage des ZDF-
Magazins Mona Lisa; drittens die vom Berliner Turandot-Verlag betriebene Web-
seite www.die-mona-lisa.de; viertens ein auf www.ruhrnachrichten.de veröffentlich-
ter Artikel über die Ausstellung eines Faksimiles der Mona Lisa im Oberhausener
Gasometer; fünftens die Homepage des ebenfalls in Oberhausen ansässigen Fliesen-
legerbetriebes Mona Fliesa; sechstens ein auf www.bild.de veröffentlichter Artikel
darüber, ob das berühmte Gemälde möglicherweise ein außerirdisches Wesen zeigt;
siebtens ein weiterer, der postuliert, die Dargestellte sei DaVincis Mutter; achtens die
Homepage des Modehändlers www.interchic.de, der unter dem Label Mona Lisa Da-
menmode in Übergröße vertreibt; neuntens ein Beitrag auf www.focus.de über die
mögliche (nicht-außerirdische) Identität der Gioconda und zehntens schließlich ein
kurzer Artikel auf der Seite www.medienwerkstatt-online.de, welche sich vor allem
an Schüler richtet. Obwohl der Louvre selbst eine Homepage mit virtueller Samm-
lung betreibt, taucht die dort der Mona Lisa gewidmete Seite1 erst auf der fünften
Seite der Trefferliste auf. Ändert man die Suchanfrage in Mona Lisa Louvre, so rückt
diese Seite zwar auf die zweite Position, erreicht aber immer noch nicht die Relevanz
des Wikipedia-Artikels.
Das Museum, das das Original besitzt und obendrein auch noch im Web präsen-
tiert, steht mit seiner Webseite also nicht allzu hoch in der Gunst des Publikums. Dies
mag auf den ersten Blick überraschen, wird allerdings nachvollziehbar, wenn man
sich die der Mona Lisa gewidmete Seite der Louvre-Homepage genauer ansieht: Sie
besteht aus einer kurzen technischen Beschreibung des Werkes (Titel, Entstehungs-
zeitraum, Abmessungen und Standort im physischen Louvre), drei kurzen Absätzen
zu Geschichte und Rezeption, eine Auflistung gedruckter Referenzliteratur und eine
per Flash-Applikation eingebundene Zusammenstellung von Bildmaterial, bestehend
aus einer Gesamtdarstellung und einigen Detailansichten. Das Textvolumen der Be-
schreibung nimmt sich ähnlich klein aus wie die niedrig aufgelösten Bilder, die auf-
grund ihrer Einbindung via Flash auch nicht ohne weiteres vom Nutzer herunterge-
laden werden können. Die Homepage des Louvre verzeichnet darüber hinaus die ver-
fügbaren Werke lediglich nach Sammlungen (z.B. Gemälde, Skulpturen, Drucke,
Antiquitäten2), ohne sie untereinander zu verlinken. Die Mona Lisa steht hier also in
sehr kleiner Abbildung mit sehr begrenzter Erläuterung völlig für sich allein. Der die
Google-Trefferliste für die Suche nach Mona Lisa anführende Wikipedia-Artikel al-
lein überbietet das Angebot des Louvre um ein Vielfaches: Er enthält umfassende
Informationen über Geschichte und Rezeption des Kunstwerkes, einen Verweiskata-
log, der nicht nur auf gedruckte Literatur verweist, sondern auch eine Anzahl von
1 http://www.louvre.fr/en/oeuvre-notices/mona-lisa-portrait-lisa-gherardini-wife-francesco-
del-giocondo vom 19.05.2018.
2 http://www.louvre.fr/en/departements vom 19.05.2018.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien