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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Virtualisierung und Musealisierung: Skizze eines Spannungsfeldes | 265 gerade jenes ökonomisierte und an Marktprozessen orientierte Verständnis von den Funktionalitäten des WWW, in welchem Morozov die Ursache seiner Kolonisierung durch privatwirtschaftliche Kräfte und der Nivellierung seiner ehemals fein nuancier- ten Kommunikationslandschaften ausmacht. In seinem 2006 erschienen Buch The Long Tail entwirft der ehemalige WIRED-Redakteur Chris Anderson ein Bild von der Ökonomie des Webs, das ganz gezielt all jene Angebote in den Mittelpunkt des Interesses stellt, die nicht im Brennpunkt kybernetisch fokussierter Nutzeraufmerk- samkeit stehen. Anderson spricht hier vom »long tail« und benennt damit eine be- stimmte Form von Pareto-Verteilung, die er erstmals 2004 in den monatlichen Ver- kaufszahlen des Musikportals Rhapsody beobachtete: Während eine relativ kleine Zahl hochaktueller und akut populärer Titel eine überproportional große Zahl von MP3-Verkäufen auf sich vereinte und damit den ›kurzen Kopf‹ der Verteilung bil- dete, zeigte sich hinter dieser Ballung ein stetiger Abfall der Absätze über hundert- tausende von Musiktiteln hinweg, der aber ‒ und das ist entscheidend ‒ kaum jemals tatsächlich die Nulllinie berührte. Anderson folgert aus dieser Beobachtung, dass es im WWW zwar eine Marginalität in Nischenmärkten, selten aber eine tatsächliche Obskurität gäbe. Auch die unpopulärsten Inhalte finden noch einen Rezipienten ‒ und der Grund hierfür ist seiner Einschätzung nach eben die schon mit Konrad Becker festgestellte Abwesenheit von ›Regalen‹ im Web (vgl. Anderson 2007: 11). Ein Wirt- schaftssystem, das auf »Hits« (nicht nur musikalischer Art) basiert, verdanke sich weitgehend der Tatsache, dass in der analogen Welt die Vermarktbarkeit von Gütern durch physikalische Größen eingeschränkt ist: Ein Supermarkt ist ein Gebäude mit begrenztem Rauminhalt und ebenso begrenzter Regalfläche, auf welcher entspre- chend auch nur eine begrenzte Anzahl räumlich ausgedehnter Produkte angeboten werden kann. In einer materiellen Warenökonomie ist deshalb das, was nicht den Sprung in die Regale der Geschäfte schafft, unter Umständen überhaupt nicht zu er- stehen. Ein Produkt, das nicht die notwendige kritische Masse erreicht, um sich aus der Marginalität zu erheben, ist wirtschaftlich allzu häufig schlicht nicht existenzfä- hig. Das Internet hat diese Einschränkung Andersons Einschätzung nach weitgehend aufgehoben, und zwar nicht nur für Informationsgüter (die zuvor den Weg vom Pro- duzenten zum Kunden auf materiellen Datenträgern zurücklegen mussten), sondern auch für klassische, dinghafte Waren, die nun in digitaler Effigie ausgestellt werden können und beim Händler nur mehr gelagert, nicht präsentiert werden müssen (so funktionieren ja sämtliche Internetkaufhäuser). Im Web steht nicht nur nahezu unbe- grenzt ›Platz‹ zur Verfügung ‒ es verfügt darüber hinaus auch über Werkzeuge, um potenziell alle in ihm vorhandenen Informationen auffindbar zu halten, auch wenn sie nicht in den oberen Rängen von Suchmaschinen-Trefferlisten auftauchen (vgl. ebd.: 20). Das Problem aller physischen Ladengeschäfte ist ja nicht nur, dass sie nicht endlos viele Produkte in ihre Regale quetschen können, sondern auch, dass in diesen
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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